Washington. Gibt man den Begriff "Sauberfrau" in die Suchmaschine Google ein, dann ist bereits der dritte Vorschlag Doris Day. Es war ein Image, das die US-Schauspielerin zeit ihres Lebens nicht abschütteln konnte. Nun ist Doris Day mit 97 Jahren gestorben. Wirklich gestört hat es Day nicht, dass sie einen weitaus cleaneren Sex-Appeal ausstrahlte als ihre anderen blonden Kolleginnen im Hollywood der 50er Jahre. Sie hatte da durchaus auch eine pointierte Meinung dazu: "Vulgarität beginnt da, wo die Vorstellungskraft vom Expliziten überrannt wird."

Viel Vorstellungskraft brauchte man noch vor genau 60 Jahren, als ihr Film "Bettgeflüster" ("Pillow Talk") mit Co-Star Rock Hudson herauskam – den frivolen Subtext des Titels suchte man lange bis vergeblich, so hochgeschlossen und mit der Bettdecke bis zum Kinn wurde da am Vierteltelefon geflüstert. Die Rolle der Blondine, die sich trefflich über das raffiniert ausklappbare Doppelbett eines Playboys echauffieren kann, brachte Day die einzige Oscar-Nominierung ihres Lebens.

Pikierte Jungfrau

Mit Rock Hudson hat Doris Day noch zwei weitere erfolgreiche Filme gedreht, "Ein Pyjama für zwei" und "Schick mir keine Blumen". Die beiden wurden zu einem (Film-)Traumpaar der 50er und 60er Jahre, er der smarte Frauenschwarm, sie die pikierte Jungfrau, in der vermutlich ein Vulkan schlummert.

Kein Wunder, dass auch Alfred Hitchcock, seinerseits abonniert auf Blondinen, Doris Day engagierte. Sie passte freilich nicht ganz in sein Beuteschema, das Schauspielerinnen mit kühlen Reizen bevorzugte. Nichtsdestotrotz ist Hitchcock verantwortlich für die wahrscheinlich seriöseste Schauspielleistung Days im Thriller "Der Mann, der zu viel wusste". Die Rolle der Sängerin, deren Sohn entführt wird, füllte Day mit authentisch-verzweifeltem Leben – weit weg vom prüden Hascherl. Es ist kein Zufall, dass ein Lied aus diesem Film für immer mit ihr verbunden sein wird: "Que será, será". Was sein wird, wird sein, wir können die Zukunft nicht bestimmen – banal, aber wahr. Doris Day erlebte ziemlich viel Zukunft, sie wurde 97 Jahre alt. So erfolgreich das Berufsleben der als Doris Mary Ann von Kappelhoff geborenen Tochter deutscher Einwanderer war, so turbulent war das private: Mit 18 ein Kind, mit 19 die erste Scheidung, mit 27 Jahren den dritten Ehemann. Als Days Gatte und Manager Marty Melcher 1968 starb, hatte er ihr Vermögen weitgehend durchgebracht, berichtete die Schauspielerin 1975 in ihren Memoiren. 1981 wurde sie vom vierten Ehemann geschieden. 2004 starb ihr einziger Sohn, Plattenproduzent und Songwriter Terry Melcher, im Alter von 62 Jahren an Krebs.

Tiere und Kinder

Seit 40 Jahren hatte sich Day weitgehend aus der Öffentlichkeit zurückgezogen, ihr ganzes Streben und Sinnen galt nur mehr ihrer Tierschutzorganisation. Launiger Spruch dazu: "Ich habe noch nie ein Tier getroffen, das ich nicht gemocht habe. Von Menschen kann ich nicht dasselbe behaupten." Vor zehn Jahren schenkte sie den unmöglichen Menschen noch einmal etwas: Sie veröffentlichte eine CD ("My Heart") mit Liedern aus früheren Jahren und wurde ohne Umweg zum Chartstürmer. Nur recht und billig für jemanden, dessen Stimme ein Kritiker einmal als "in Flaschen abgefüllte Fröhlichkeit" bezeichnet hat.

In einem der seltenen Interviews, die sie zu ihrem letzten Geburtstag heuer dem "Hollywood Reporter" gegeben hat, erzählte sie: "Ich bekomme so viele Liebesbriefe von Fans, die gerade einmal acht Jahre alt sind, die schreiben mir, dass ihre Urgroßmütter ihnen meine Filme und meine Musik vorgestellt haben und dass meine Filme sie glücklich machen." Man kann sich kaum mehr als Lebenswerk erhoffen.