Cannes. Wenn jemand wie Jim Jarmusch einen neuen Film macht, dann darf man als Fan, Filmkritiker oder Skurrilitätensammler schon so einiges erwarten. Jarmusch, legendärer Regiekopf mit schräger Lässigkeit, inzwischen mit einem stattlichen Umfang an Kultklassikern ausgestattet, liebt es, sich immer wieder neu zu erfinden, oder besser: Neu zu alter Form aufzulaufen. Genau das hatte man ihm bereits 2013 attestiert, als er mit der Vampirromanze "Only Lovers Left Alive" in Cannes war.

Nun also Zombies. Für sein neues Werk "The Dead Don’t Die" (Die Toten sterben nicht), mit dem er soeben das Festival von Cannes eröffnet hat, kehrt er sein Haupt durchaus vielen Themen seiner bisherigen Filmemacherkarriere zu, andere sind auch neu, aber am Ende ist der Film eine Fabel über unser aller Gier, wenn es darum geht, niemals richtig satt zu werden (vom Konsum) und niemals genug bekommen zu können, die eigene Gefräßigkeit in den Mittelpunkt gerückt. Die Handlung ist, ganz im Stile Jarmuschs, versehen mit lakonischen, selbstironischen Helden von stoischer Natur, gespickt mit ein bisschen Wortwitz und Situationskomik, gekleidet in eine Zombie-Komödie von absurden und bizarren Ausmaßen.

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Es spielt natürlich die Jarmusch’sche Idealbesetzung, Bill Murray als Polizist, der Zombies jagt, aber mit der Geschwindigkeit und Ruhe eines Regenwurms, sein Partner Adam Driver, gar nicht viel schneller als der Chef, vielleicht nur etwas mehr gewissenhaft; Tilda Swinton als Totengräberin, die als einzige den Untoten Paroli zu bieten weiß; Chloe Sevigny als Schwachstelle in einem Polizeitrio, Steve Buscemi als (gar nicht so) schmieriger Typ, der sich aus allem herausredet, wenn es sein muss. Fix ist: Überleben wird das keiner, wenn die Erde sich erst einmal nicht mehr um die eigene Achse dreht - oder doch? Jarmuschs klitzekleine Message ist am Ende dem Publikum schon ziemlich plakativ aufs Auge gedrückt worden, nach ein paar grausigen Zombies-essen-Menschen-Szenen und einer eher dahinplätschernden Entwicklung des Plots. Aber dieses Behäbige, das brauchen Jarmuschs Filme inzwischen, denn sie sind nicht mehr so originell wie früher, höchstens in ihrer Langsamkeit; das Medium Film hat sich verändert, Jarmusch aber nicht, weshalb er stilistisch in die entgegengesetzte Richtung inszeniert. Das tut seiner Story-Miniatur gut, denn sonst wäre sie nach wenigen Minuten auserzählt.

Für einen Eröffnungsfilm im Wettbewerb vom Cannes wirkt die Platzierung von "The Dead Don’t Die" zunächst eher wie ein Jux, den sich Festivalchef Thierry Frémaux da erlaubt hat: Nicht umsonst soll Jarmusch Frémaux gefragt haben, ob es wirklich sein Ernst wäre, "The Dead Dont Die" als Eröffnungsfilm zu zeigen. Aber warum eigentlich nicht? Schlechte französische Problemdramen oder langweilige Bombast-Ware aus Hollywood hat man an diesem Programmplatz ohnehin schon viel zu oft gesehen. Da haben die vermoderten, menschenfressenden Zombies sogar etwas ganz Erfrischendes an sich.