Die Fotografen konnten sich kaum mehr beherrschen. Kein Wunder: Schließlich kam mit Alain Delon einer der letzten französischen Weltstars an die Croisette, um sich hier die Goldene Ehrenpalme für sein Lebenswerk abzuholen. Ihm zu Ehren gezeigt wurde der Delon-Klassiker "Mr. Klein" von Joseph Losey, für Delon gab es stehende Ovationen. Dabei hatte eine US-amerikanische Organisation im Vorfeld heftig Kritik an der Preisvergabe geübt, weil Delon sich offen dazu bekennt, ein Freund des umstrittenen Front National zu sein. Cannes-Festival-Chef Thierry Frémaux konterte: "Wir geben ihm eine Palme für sein künstlerisches Werk und nicht den Friedensnobelpreis".

Entsprechend gelassen ließ sich Delon dann auch von den Hunderten Fotografen ablichten und genoss die Aufmerksamkeit sichtlich. Zuvor hatte sich Delon bereits zwei Stunden für ein ausführliches Gespräch vor Publikum genommen - in einem völlig überfüllten Kinosaal. "Ganz am Anfang meiner Karriere hat mir ein Regisseur geraten: ‚Spiel nicht, sondern sei einfach wie du bist und halte deine Visage in die Kamera, ohne dich zu verstellen‘", so Delon. "Diesen Rat habe ich seither immer befolgt - und daher kann ich sagen: Ich habe meine Rollen immer selbst durchlebt und sie niemals bloß gespielt".

Ob es nun Viscontis "Rocco und seine Brüder", der Delon auf die Landkarte für ernsthafte Rollen setzte, oder "Der Leopard", oder seine Arbeit mit Antonioni und anderen großen Namen des Weltkinos waren - all die großen Regisseure seien ihm besonders wichtig gewesen. "Ohne die hätte ich niemals geschafft, was ich auf der Leinwand getan habe", so Delon. "Deshalb widme ich meine Goldene Palme auch und vor allem diesen Regisseuren". Am Sonntagabend wird Delon die Palme dann feierlich in Empfang nehmen.