Der eine mit 69 endlich soweit, von sich und seinen (inneren) Qualen zu sprechen, der andere nach einem überstandenen Herzinfarkt vor zwei Jahren in der Lage, diese Qualen darstellerisch auf die Leinwand zu bringen: Der spanische Regisseur Pedro Almodovar hat seine eigene Befindlichkeit als Filmemacher verfilmt, mit Antonio Banderas als sein Alter ego. Es geht um ein ereignisreiches Leben zwischen Erfolg, Misserfolg, Glück und Tragik, all das gereicht in Rückblenden und Zeitsprüngen; Der fiktive Regisseur Salvador Mallo lässt sein bisherige Schaffen Revue passieren, weil demnächst sein erster Film frisch restauriert aufgeführt werden soll. Es geht um Themen wie Katholizismus, Homosexualität und Exzess. Banderas spielt diesen gealterten Künstler mit großer stoischer Ruhe und raucht im Film sogar einmal Heroin.

"Etwas, was ich niemals gemacht hätte", sagt Almodovar. "Also nicht alles, was diese Figur macht, ist mir selbst widerfahren. Es sind vielleicht 50 Prozent wahr". Die teils lakonische Sinnsuche in einem bewegten Künstlerleben hat in Cannes hymnische Kritiken erhalten und zählt schon zu den Favoriten auf einen Preis.

Banderas: Der Infarkt änderte alles

"Ich konnte mir zunächst nicht vorstellen, dass ich die Rolle von Pedro spielen soll", sagt Antonio Banderas im Interview mit der Wiener Zeitung. "Aber ich hatte vor zwei Jahren einen Herzinfarkt, und seither sehe ich die Dinge im Leben völlig anders. Ich konnte daher auch gut verstehen, wie sehr Pedro mit seinem Künstlerleben und seinen körperlichen Leiden hadert. Deshalb habe ich mich schließlich gefreut, den Part zu spielen". Almodovar und Banderas sind seit Jahrzehnten befreundet, beider Karrieren haben zusammen begonnen, ehe Banderas eine Karriere als Hollywood-Star hinlegte. "Aber die gemeinsame Zeit mit Pedro ist mir überaus wertvoll - und bis heute machen wir zusammen Filme."

"Alles begann mit meinen starken Rückenschmerzen", erzählt Almodovar. "Sie waren der Grund für mich, aufzuschreiben, wie meine Befindlichkeit ist. Und daraus ergab sich dann auf magische Weise eine Geschichte, die ich auch als Film erzählen wollte". Lust und Leid eines Künstlers eben, eingefangen in den bekannt farbsaturierten Bildern Almodovars, für die er bekannt ist.

Das Älterwerden ist definitiv ein Thema in "Pain and Glory". "Jeder von uns wird irgendwann erkennen, dass es zu Ende geht, das eigene Leben. Wenn man so nah mit dem Tod konfrontiert wurde, wie ich, dann wird einem das noch deutlicher", sagt Banderas. "Und man findet heraus: Es hat keinen Sinn gegen etwas zu kämpfen, was man nicht ändern kann. Wir gehen alle dieselbe Route". Was aber nicht heißt, dass Banderas depressiv geworden ist: "Im Gegenteil: Ich erkenne nun viel mehr den Wert in der Zeit, die ich mit Familie und Freunden verbringe als noch vor dem Infarkt. Und meine Familie ist immer noch auch Melanie Griffith. Wir sind zwar nicht mehr verheiratet, aber es waren tolle 20 Jahre meines Lebens, wieso sollte ich die ausblenden?" Banderas hat sich mit 58 einen Jugendtraum erfüllt: "In Malaga habe ich mir zwei Theater gekauft, in denen ich nun mit jungen Menschen Stücke einstudiere, und das erfüllt mich total".

Und auch Almodovar hat noch Pläne: "Ich werde bald 70, aber auf meinem Schreibtisch liegen noch etliche Filmideen herum. ‚Pain and Glory‘ ist sicher noch nicht das Resümee meines Lebens".