Zu Anfang die Verlesung einer Botschaft des Regisseurs: Quentin Tarantino bittet die versammelte Weltpresse darum, keine Details seines neuen Films "Once Upon a Time in Hollywood" zu verraten, nachdem sie ihn gesehen hat. Und zwar keine solchen Details, die den Spaß des Zuschauers beim ersten Ansehen des Films trüben könnten.

Was im vorliegenden Fall recht schwierig sein dürfte. Denn um den Kern dieses bewusst als Märchen betitelten Films zu verstehen, muss man eigentlich wissen, dass hier am Ende, nun ja, die Geschichte umgeschrieben wird. Ähnlich, wie es Tarantino bereits in "Inglourious Basterds" getan hat, als Hitler im Kinosaal verbrannte. Aber mehr sollte man nicht verraten, will man dem Wunsch des Künstlers entsprechen.

"Once Upon A Time in Hollywood" erzählt von einem "Has Been" aus der Traumfabrik, einem ehemaligen Fernsehstar: Rick Dalton (Leonardo DiCaprio) war in den 50ern ein Western-Held in einer billigen NBC-Fernsehserie und Cliff Booth (Brad Pitt) sein Stuntdouble. In die Hippiezeit der späten 60er Jahre wollen sie nicht mehr so recht passen, mit ihren knallenden Revolvern, den lächerlichen Stunts und den markigen Macho-Sprüchen. Während Booth inzwischen als persönlicher Fahrer von Dalton arbeitet (diesem wurde wegen Alkohol am Steuer der Schein gezupft), verdingt sich der einstige Westernstar in drittklassigen Schießabenteuern - unter anderem auch in Spaghetti-Western in Italien, wohin ihn sein Manager (Al Pacino, ganz großartig) schickt. Booth ist indes eine Art Zugehfrau für Dalton: Repariert ihm T-Shirt-frei (und mit einem Sixpack wie zu "Thelma & Louise"-Zeiten) die Dachantenne auf seiner Villa, während er selbst in einem heruntergekommenen Trailer haust, zusammen mit seinem Hund, der später noch eine große Rolle spielen wird.

Das ganze Setup, das Kennenlernen seiner Protagonisten, breitet Tarantino auf über zwei Stunden aus, und das ewige Lamento Daltons über seinen eigenen Abstieg in die Bedeutungslosigkeit, seine laschen Dialoge als Held billiger Filmchen und die langen Spazierfahrten Booths durch Los Angeles sind dabei durchaus richtig langweilig geraten - so etwas kennt man von Tarantino nicht. Der Geschichtenerzähler Tarantino hat hier Pause gemacht, zugunsten eines dann und wann ganz stimmigen, aber doch eben auch faden Zeitbildes eines Los Angeles, das unter dem bunten Eindruck der Hippie-Zeit steht. Erst ab Minute 120 (von 159) kommt so richtig Fahrt in die Geschichte, in der auch Daltons Hausnachbarn eine wichtige Rolle spielen. Gerade sind dort nämlich der gerade sehr "hippe" Regisseur Roman Polanski und seine Frau Sharon Tate (Margot Robbie) eingezogen.

Ein schales Gefühl bleibt

Den Spaß an "Once Upon a Time in Hollywood" zu nehmen, indem man mehr als dies verrät, diese Bitte Tarantinos stieß bei einigen Kritikern in der Pressevorführung in Cannes auf grobes Unverständnis und wurde lautstark ausgebuht. Am Ende aber ist klar, dass man diese (letztlich einzige) Pointe des über weite Strecken durchaus espritlosen Films keinesfalls verraten darf. Jeder, der sich genauer mit dem Setting des Films befasst, kann sich ohnehin einen Reim darauf machen, dass hier nichts so passiert wie gedacht.

Unterm Strich bleibt also ein schales Gefühl zurück: "Once Upon a Time in Hollywood" ist nicht das launige Sittenbild eines Hollywood der späten 60er Jahre geworden, das sich so mancher Fan erhofft hatte. Klar, Tarantino hat sich in zahllosen Szenen in seiner für ihn ganz typischen Manier dem Zeitgefühl gewidmet, es rekonstruiert und liebevoll inszeniert. Referenzen an Filme, Serien, Legenden gibt es zuhauf, aber sie sind nicht stringent mit der Handlung verknüpft, wie das früher bei den raffinierten Filmen Tarantinos der Fall war - allen voran in "Pulp Fiction" und in "Jackie Brown". So teilt sich "Once Upon a Time in Hollywood" in zwei ganz unterschiedliche Teile: Eine überlange, uninspirierte Einleitung und einen abrupten, brutalen Schluss mit Überraschung. Eine Erzählung im eigentlichen Sinn ist das nicht: Der Film hat mehr Erwartungen enttäuscht als erfüllt.