Der Disney-Klassiker "Aladdin" kehrt nach 27 Jahren als Live-Action-Version auf die Leinwand zurück und beweist, dass das Studio langsam sein Patentrezept findet, wie es diese Filme adaptieren will. Statt den frühen Experimentierphasen mit "Alice im Wunderland" oder "Maleficent" bestätigte der Erfolg von "Die Schöne und das Biest", dass der erfolgreichste Zugang das werktreue Kopieren des Originals ist, 21. Jahrhundert-Frischzellenkur inklusive.

Die Handlung ist weitgehend dieselbe. Aladdin (Mena Massoud) trifft in den Straßen Agrabahs Prinzessin Jasmin (Naomi Scott) und verliebt sich in die junge Frau. Zeitgleich plant der Großwesir Jafar (Marwan Kenzari), den Sultan um sein Königreich zu bringen. Dafür braucht er jedoch die magische Lampe, in der der mächtige Flaschengeist Genie (Will Smith) haust. Doch nur ein "ungeschliffener Diamant" kann die Höhle mit der Lampe betreten. Wie das Schicksal so will, kreuzen sich seine Wege mit Aladdin.

Der Rest ist bekannt. Aladdin wird Herr der Lampe und lässt sich von Genie in einen Prinzen verwandeln, Jafar versucht die Lampe an sich zu reißen. Regisseur Guy Ritchie erweitert die Handlung um die weibliche Ermächtigung Jasmins, die immer wieder kritisch fragt, warum sie heiraten muss, um zu regieren, und um Jafars Hintergrundgeschichte. Ebenfalls ursprünglich ein Dieb, sind er und Aladdin zwei Seiten einer Medaille mit der Aussage: Man kann seinen vorbestimmten Platz überwinden.

Diese Ergänzungen fügen sich zwar organisch in die Geschichte ein, dennoch beweist "Aladdin", dass Disney nach wie vor nicht reproduzieren kann, was die Animationsklassiker so besonders gemacht hat. Vor allem die Filme der 90er verzückten als Broadway-inspirierte Musicalshows. Diese Extravaganz findet sich nicht in den Live-Action-Filmen. Die Musik-Showelemente verkommen zu einem Punkt auf der Liste, den man abhakt, sind nichts, das wirklich Herz und Seele hat.

Lieblos und überkandidelt

So ist der nächtliche Ausflug zu "A Whole New World" nur ein in Blaugrau gehaltener schneller Flug um den Block. Statt einer szenisch vielfältigen Landschaft gibt es statische Meeressuppe. Die Straßen Agrabahs hingegen wirken mit ihren teils blassrosa Hauswänden überkandidelt und kitschig. Dieses Manko wird vor allem mit Prinz Alis Einzug in die Stadt deutlich. Will Smiths Gesang lässt zu wünschen übrig und Ritchie offenbart, dass er nicht versteht, wie man eine Musicalnummer mitreißend inszeniert.

Ebenso klassisch für die Animationsfilme waren ihre exzentrischen, oft süffisanten Bösewichte. Leider bietet ausgerechnet Marwan Kenzari die schwächste Darstellung. Sein Jafar muss zwar keine Kopie der Vorlage sein, es hilft aber auch nicht, dass er die Rolle so steif anlegt wie ein Amateur in der Schultheatergruppe und redet, als würde er von Tafeln ablesen.

Das Endprodukt, so darauf bedacht eine fabelhafte Märchenwelt zu schaffen, wirkt oft verloren und glanzlos. Ein wohlwollendes Schwelgen in Nostalgie, dessen Magie aber trotz Flaschengeist nicht über das Ende des Abspanns hinweg anhaltet.