Wie man einen Kinofilm über einen Radiosender machen kann, dessen Wesen es eigentlich ist, mit Ton und Sprache, aber nicht mit Bildern zu arbeiten, führen die Regisseure Jakob Brossmann und David Paede in ihrem "Radiofilm" "Gehört, Gesehen" eindrucksvoll vor. Ganze zwei Jahre lang war das Duo mit seiner Kamera im Wiener Funkhaus unterwegs und hat den Radiomachern über die Schultern geblickt. Dabei sind aber nicht nur aufwendige Sendungsproduktionen begleitet worden oder Hörspielaufnahmen, sondern auch Telefonate des Ö1 Kundenservice ebenso wie nicht immer ganz spannungsfreie Redaktionskonferenzen der Journalisten. Der Film arbeitet sehr gut heraus, welchen Herausforderungen ein öffentlich-rechtlicher Radiosender mit Kultur- und Bildungsauftrag in der heutigen Zeit unterliegt. Die politische Zeit, aber auch interner Kostendruck und kleiner werdende Budgets bedeuten harte Zeiten für den Sender, der immerhin als der erfolgreichste seiner Art in ganz Europa gilt. Ö1-Chef Peter Klein kommt im Film eine tragende Rolle zu, er spart weder an Kritik am Sender und den Mitarbeitern noch mit Lob.

Die Filmemacher verzichten konsequent auf einen Off-Kommentar, bringen so die Zuschauer noch näher an die Materie. Die Faszination, die das Gestalten eines kulturellen Radiovollprogramms auf die Mitarbeiter ausübt, wird in "Gehört, Gesehen" jedenfalls in jeder Sekunde spürbar.