Der Film besticht durch seine vielen Dialoge und die Anspielungen an viele popkulturellen Phänomene unserer Zeit.

Anfangs dachte ich, so eine Art von Film bekomme ich niemals finanziert, weil er einfach so viele Dialoge enthält. Weil es ein Film ist, der sich zu viel Gedanken macht über Ideen und darüber, wie unsere Gesellschaft funktioniert. Weil er hinter die Kulissen von Politik und Gesellschaftssystem blickt. Dabei habe ich ganz intuitiv gearbeitet: Ich setzte mich hin, um eine Szene zu schreiben, die mir gerade einfiel, dann legte ich alles zur Seite, nur um es Monate später wieder aufzugreifen und weiterzuschreiben, wenn mir etwas Neues eingefallen war. Auf diese Weise ergab sich eine Szenensammlung, der ich aber durchaus Potenzial zutraute, als Film zu funktionieren. Und die auch durch und durch witzig war. Das war auch wichtig für den Stoff. Man kann sich durchaus mit abstrakten Dingen und Phänomenen auseinandersetzen, solange man dabei humorvoll ist.

Die Dialoge sind Ihnen in Ihren Filmen immer besonders wichtig. Stimmt dieser Eindruck?

Ja, absolut! Ich war immer schon beeindruckt von Filmemachern, die die Theaterbühne verehrt haben, etwa Fassbinder oder Bergman. Ich mag auch Regisseure, die den Dialog als ihr Medium entdeckt haben, wie Sacha Guitry oder Eric Rohmer. Es gibt einen Unterschied zwischen Regisseuren, die fremde Vorlagen inszenieren, und Regisseuren, die ihre Drehbücher selbst schreiben. Erstere können sich immer hinter dem Autor verstecken. Aber bei einem Film wie "Zwischen den Zeilen" ist das unmöglich. Ich stehe da als Autor in der ersten Reihe. Und daher musste der Spaß im Vordergrund stehen. Es gibt hier keine Szene, die mir beim Schreiben keinen Spaß gemacht hat. Andererseits würde man dieses "In-der-Auslage-stehen" gar nicht aushalten.

Oftmals gibt es sehr witzige Widersprüche zwischen der Ausgefeiltheit der Dialoge und den Orten, wo sie gesprochen werden. Im Bett nach dem Sex zum Beispiel.

Die Wahrheit ist: Ich habe den ganzen Film nur in Dialogform geschrieben und mir erst nachher überlegt, an welchen Orten ich welche Dialoge inszenieren könnte. Im Fall der Bettszene gebe ich zu, dass der Dialog hier so komplex und kompliziert war, dass ich den Zuschauer dafür visuell entschädigen wollte. (lacht)

Apropos Sex: In einer Szene gibt es eine Fellatio in einem Kino, in dem gerade Michael Hanekes "Das weiße Band" läuft. Was haben Sie sich denn dabei gedacht?

Die Haneke-Szene entstand ganz ohne tieferen Hintergrund, glauben Sie mir! (lacht) Sie ist wahrscheinlich meiner großen Liebe zu seinem Werk geschuldet. Ich sehe Haneke als einen der großen Filmemacher unserer Zeit, und ich habe ihn von Anbeginn an verehrt. Aber weil gerade "Das weiße Band" zu so einem ultimativen Haneke-Film stilisiert wurde, fand ich es lustig, diese Szene zu schreiben, anstatt sie bei einer Vorführung von "Star Wars" stattfinden zu lassen.