Die Änderung in der Mediennutzung sind frappant: Netflix dominiert inzwischen globale Sehgewohnheiten. Sie entwerfen etwas Ähnliches im Bereich von Büchern und Literatur. Gibt es da einen Zusammenhang?

Die Netflix-Dominanz ist etwas völlig anderes: Die operieren in einer großen Grauzone, was nicht unbedingt gesund ist. Netflix nimmt sich die großen Namen der großen Leinwand, um ihre Zuschauer damit vor ihren Kanal zu locken, der grundsätzlich TV ist und nicht Kino. Das ist ein bisschen Betrügerei: Das Prestige des Kinos zu nutzen, um etwas zu verkaufen, das mit Kino nichts zu tun hat. Der Grund, warum ich Filme mache, war immer die Faszination für die große Leinwand. Ich glaube bis heute, dass die Qualität einer kollektiven Konzentration beim gemeinsamen Filmschauen unerreicht ist. Deshalb würde ich nie einen Film für Netflix machen.

Man könnte dagegenhalten, dass Netflix Filme ermöglicht, die es sonst nicht geben würde.

Sie haben recht. Heute, wo es immer schwieriger wird, Filme zu finanzieren, ist Netflix dabei, einem die komplette Freiheit als Regisseur zu lassen. Das ist außergewöhnlich. Die Schattenseite ist halt, dass der Film dann zuerst und meist ausschließlich auf Netflix zu sehen sein wird. Aber eigentlich ist das eine Debatte aus der Vergangenheit. Es spricht eigentlich nichts dagegen, solche Filme sowohl im Kino als auch als Stream zu zeigen. Beide Orte erreichen ein jeweils anderes Publikum.

Was ist eigentlich Ihre persönliche Meinung über die Zukunft des Buches, oder besser: die Zukunft analoger Medien?

Ich habe eine achtjährige Tochter, die Bücher liebt. Die Kinderbuchecke in der Buchhandlung in meiner Straße scheint regelrecht zu boomen. Daran sieht man, wie vielversprechend die Zukunft für Bücher zu werden scheint.

Sie haben sich in so vielen Genres ausprobiert. Gibt es ein Lieblingsgenre? Und würden Sie gerne auch in Hollywood drehen?

Ja, es gibt Genres, die ich sehr mag. Mein nächster Film wird die wahre Geschichte kubanischer Spione im Miami der frühen 90er Jahren verhandeln. Das kommt nahe an meinen Film "Carlos" heran. Solche Geschichten liegen mir. Aber so richtig groß wird das Projekt nicht. Denn dazu bräuchte man ein Studio an Bord. Und damit zum Thema Hollywood: In dem Moment, in dem man ein solches Studio dabei hat, verliert man als Regisseur seine Freiheit und seine Kontrolle. Dies aufzugeben wäre ich nicht bereit.