Als Leonardo DiCaprio 1997 die Rolle von Jack Dawson in James Camerons "Titanic" verkörperte, da wusste man noch nicht, dass dieser Film am Ende der erfolgreichste Film aller Zeiten werden sollte, und DiCaprio zu den größten Leinwandstars der Hollywood-Geschichte aufsteigen würde. Camerons Mammut-Projekt kostete damals die horrende Summe von 200 Millionen Dollar, und die meisten Beobachter befürchteten, "Titanic" würde zum Flop des Jahres werden und ein ganzes Studio mit in den Abgrund reißen.

Mathematik und Karriere

Dass dem nicht so wurde, ist bekannt. Das Warum war und ist eine der zentralen Fragen, die das Showbusiness umtreibt: Wie lässt sich ein Erfolg in Hollywood vorhersagen? Gibt es die Wunderformel, nach der man automatisch Filmhits produzieren kann? Wieso floppen so viele hochkarätige Filme und weshalb gibt es immer wieder unbekannte, kleine Produktionen, die zu Sensationserfolgen werden? Nichts lässt sich weniger vorhersagen, als ein finanzieller Erfolg am Box Office, möchte man meinen, und doch investieren die Studios Millionen in die Forschung nach der Formel, die eine eierlegende Wollmilchsau gebären kann.

Der Schlüssel zur Vorhersage, ob ein Film finanziellen Erfolg haben wird, heißt Datenwissenschaft. Anhand komplexer Formeln und Datensätzen aus über 100 Jahren Filmgeschichte entwickeln Forscher Modelle zur Berechnung, ob Filme ihre Kosten wieder einspielen werden oder ob Schauspielern eine lange Karriere bevorsteht.

Mathematiker der Queen Mary Universität in London haben herausgefunden, wie sich Karrieren von Schauspielern vorhersagen lassen, indem sie sämtliche Daten von der "Internet Movie Database" (Imdb.com) heranzogen. Bei der Untersuchung von 1,5 Millionen Schauspielern und 900.000 Schauspielerinnen haben sie festgestellt, dass die Mehrheit von ihnen eine nennenswerte Karriere haben, die nicht länger als ein Jahr andauert. Nennenswerte Karriere bedeutet in diesem Zusammenhang, dass die untersuchten Schauspieler in diesem Zeitraum von ihrer Arbeit leben konnten - Oscargewinne wurden nicht eingerechnet, weil die nur höchst selten gewonnen werden, wenn man sämtliche Schauspieler einrechnet. Schauspieler, die zu Beginn ihrer Karriere außerordentlich viele Filme drehen, haben eine größere Chance, auch später noch zu reüssieren - also auch länger als ein Jahr davon leben zu können. Bei den Männern entstehen daraus meist jahrelange Karrieren, bei den Frauen sind diese Karrieren allerdings deutlich kürzer.

Die Vorhersagen aus dem Datenmaterial seien in 85 Prozent der Fälle zutreffend, schlussfolgert die Studie, die in "Nature Communications" veröffentlicht wurde. Sieht man beispielsweise bei Brad Pitt nach, so stimmt die These: Pitt war rund um seinen Durchbruch in "Thelma & Louise" (1991) beinahe permanent vor der Kamera gestanden. 1992 drehte er fünf Filme, bis 1998 folgten insgesamt elf Produktionen.