Ein Film, der für die Musik lebt: "Der Klavierspieler vom Gare du Nord" (derzeit im Kino) erzählt von dem 20-jährigen Mathieu Malinski (Jules Benchetrit), in dem ein großes Talent steckt: Er spielt mit Leidenschaft Klavier, und als er dies am Pariser Gare du Nord auf einem öffentlichen Klavier tut, entdeckt ihn ein Musikprofessor und ermuntert ihn, Musik zu studieren und an einem großen Wettbewerb teilzunehmen. Hindernis ist für Mathieu allerdings seine Herkunft: Er stammt aus den Banlieues, jenen sozialen Brennpunkten, die gesellschaftlichen Aufstieg oftmals behindern.

"Wiener Zeitung": Was hat Sie motiviert, diese Geschichte zu erzählen?

Ludovic Bernard: Ich spiele selbst kein Klavier, ich kann nicht mal Noten lesen, aber ich bin ein Musikliebhaber, insbesondere Klassik. Deshalb habe ich mir vorgenommen, eine solche Geschichte zu schreiben, die sich intensiv mit Musik befasst. Zum Film inspiriert hat mich schließlich ein junger Mann, der am Gare du Nord bei diesem öffentlichen Klavier, das man im Film sieht und das es auch tatsächlich gibt, eine Sonate von Chopin gespielt hat. Das hat mich sehr berührt, weil es sehr emotional war. Und all das mitten in der Abfahrtshalle, wo die Leute hektisch zu ihren Zügen eilen und die Durchsagen die Abfahrten ankündigen. Da wusste ich: Genau mit einer solchen Szene würde ich meinen Film beginnen.

Ludovic Bernard . - © afp/Y. Bonnet
Ludovic Bernard . - © afp/Y. Bonnet

Der Film zeigt, dass Musik nicht nur etwas Akademisches ist, sondern, dass sie etwas Universelles hat, das jeden Menschen ansprechen kann.

Da haben Sie recht! Das ist der wichtigste Aspekt des Films: Musik ist nicht für die Elite oder die Oberklasse reserviert. Aber diese Leute denken das. Genau wie die sozial schwächeren Schichten denken, Musik sei für die Reichen. Ich wollte diesen Gegensatz aufzeigen und ihn zugleich überwinden. Man kann Chopin immer spielen, egal, woher man stammt. In der klassischen Musik steckt so viel Emotion, das war mir wichtig zu betonen.

Für viele Leute aus weniger begüterten Schichten scheint der Zutritt zu Musikakademien versperrt. Zumindest denken sie das. Wer soll von Musik schon leben können? Viele lernen dann ganz andere Berufe als ihre Berufung.

Ich bin sehr froh, dass Sie das sagen. Wir in Frankreich sind da in einer glücklichen Situation: Fast in jeder Stadt gibt es Konservatorien, und fast alle diese Schulen sind kostenlos. Das Problem ist, dass vielen Menschen dieses Bewusstsein fehlt. Die wissen gar nicht, dass es diese Einrichtungen gibt.

Ihre Hauptfigur arbeitet den klassischen französischen Konflikt zwischen den Banlieues und der Bourgeoisie sehr gut heraus.