New York/Hollywood. Ein Strafverfahren gegen den US-Schauspieler Kevin Spacey wegen eines sexuellen Übergriffs wird eingestellt. Wie die Staatsanwaltschaft im US-Bundesstaat Massachusetts am Mittwoch mitteilte, ließ sie alle Vorwürfe gegen den 59-jährigen Hollywoodstar fallen, da das mutmaßliche Opfer die Aussage verweigert. Hintergrund ist ein verschwundenes Handy des jungen Mannes mit Beweismaterial.

Der Sohn einer TV-Nachrichtenmoderatorin, William Little, hatte Spacey vorgeworfen, ihn im Sommer 2016 auf Nantucket betrunken gemacht und ihm in den Schritt gefasst zu haben. Der damals 18-Jährige arbeitete als Aushilfskellner in einem Restaurant auf der beliebten Urlaubsinsel. Der 59-jährige zweifache Oscar-Preisträger bestreitet die Vorwürfe.

Verschwundenes Handy 

Little hatte den mutmaßlichen Übergriff mit seinem Handy gefilmt und es später der Polizei übergeben. Bei einer Anhörung Anfang Juli räumten Little und seine Eltern ein, dass das Handy verschwunden ist. Ein Polizist versicherte, er habe der Familie das Handy nach Auswertung der Daten zurückgegeben, allerdings keine Empfangsbestätigung verlangt. Die Familie gibt an, das Handy nicht zurückbekommen zu haben.

Spaceys Verteidiger wollte das Handy nochmals auf gelöschte Daten untersuchen. Little bestritt vor Gericht, Daten von dem Telefon gelöscht zu haben. Auf die Warnung, dass jegliche Manipulation des Handys strafrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen könnte, machte der junge Mann in der vergangenen Woche von seinem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch.

Seine Mutter gestand, für ihren Sohn potenziell peinliche Fotos gelöscht zu haben, bevor es der Polizei übergeben wurde. Sie habe aber keinerlei Daten im Zusammenhang mit Spaceys mutmaßlichem Übergriff gelöscht.

Kurz zuvor hatte Little bereits eine Zivilklage gegen Spacey wegen des Vorfalls ohne Angabe von Gründen zurückgezogen. Das Handy war schon damals unauffindbar.

Kein Kommentar

Spaceys Anwalt wollte sich zum Ende des Strafverfahrens zunächst nicht äußern. Littles Anwalt erklärte lediglich, sein Mandant und dessen Familie habe "unter schwierigen Umständen außerordentlichen Mut" gezeigt.

Gegen Spacey laufen in weiteren Fällen Ermittlungen in Los Angeles und London. Diese waren im Zuge der #MeToo-Bewegung gegen sexuelle Gewalt laut geworden. Mehrere Männer werfen dem Schauspielstar sexuelle Übergriffe vor. Die Vorwürfe hatten für Spacey schwerwiegende Folgen: Er fiel in der Branche in Ungnade und erlebte einen dramatischen Karriere-Absturz. Unter anderem verlor er seine Hauptrolle in der Netflix-Kultserie "House of Cards", aus dem Film "Alles Geld der Welt" wurde seine Rolle entfernt. (APA/AFP)