Sensationelle Zugriffszahlen meldet Netflix derzeit für die neue Staffel der Eigenbau-Gruselserie "Stranger Things". Also keine konkreten Zahlen natürlich, denn damit hüllt sich die Streamingplattform traditionell in Diskretion. Bei den Quartalsberichten geht das nicht, und die sehen weniger sensationell aus, zumindest im Vergleich zu früher.

Die schwache Entwicklung der Abonnentenzahlen ist zwar auch höheren Preisen geschuldet, kommt aber höchst ungelegen. Denn ausgerechnet jetzt blasen das Hollywood-Imperium und die Tech-Hochburg Silicon Valley zur Jagd auf den Streaming-Marktführer.

Diese Zahlen schockten die Aktionäre: In den drei Monaten bis Ende Juni gewann Netflix weltweit unterm Strich lediglich 2,7 Millionen neue Bezahlabos hinzu, wie der Online-Videodienst am Mittwoch nach US-Börsenschluss im kalifornischen Los Gatos mitteilte. In den USA büßte Netflix sogar 130.000 Kunden ein. Die erfolgsverwöhnten Anleger sind so etwas nicht gewöhnt - einen ähnlichen Flop gab es zuletzt 2011, als das Unternehmen seinen DVD-Versand abgespalten hatte.

Investoren reagierten nervös

Mit den Nutzerzahlen blieb Netflix weit unter den Erwartungen der Wall-Street-Experten und auch unter seiner eigenen Prognose von fünf Millionen neuen Nutzern. Insgesamt schaffte der Streaming-Riese zum Quartalsende dank Zugewinnen außerhalb des US-Heimatmarkts immerhin noch einen Anstieg auf knapp 152 Millionen bezahlte Mitgliedschaften. Die Investoren reagierten jedoch nervös und ließen die Aktie im nachbörslichen US-Handel zeitweise um 13 Prozent fallen.

Ganz überraschend kam das schwache Wachstum nicht: Netflix lieferte im jüngsten Quartal relativ wenig Film- und Serienhits und erhöhte zudem in etlichen Ländern - auch in Deutschland - die Preise. Die Erwartungen waren deshalb bereits gedämpft, mit einem so geringen Nutzerzuwachs hatte dennoch keiner gerechnet. Das Unternehmen räumte eine besonders schlechte Entwicklung in Regionen ein, in denen die Abogebühren im vergangenen Quartal angehoben worden waren.

Was die Finanzergebnisse angeht, liefen die Geschäfte zuletzt indes noch rund: Der Umsatz legte im Jahresvergleich um 26 Prozent auf 4,9 Milliarden Dollar (4,4 Milliarden Euro) zu; der Gewinn übertraf mit 270,7 Millionen Dollar die Vorhersagen der Wall Street. Trösten konnte die Börsianer dies nicht. Allerdings stieg die Aktie im Jahresverlauf auch schon um 35 Prozent, so dass sich Gewinnmitnahmen anbieten.