Mit 69 ist Pedro Almodóvar nachdenklich geworden. Der spanische Regisseur von Weltruhm reflektiert zusehends über sich selbst, nicht nur in Interviews, wo er das schon immer gemacht hat, sondern auch in seinen Filmen. Wie etwa in "Leid und Herrlichkeit" (ab Freitag im Kino), seinem neuen Werk, das ein Abbild seiner inneren Qualen ist, aber auch um Erfolge und Glorie zirkelt. Das Auf und Ab des Lebens, eingefangen mit einem herausragenden Antonio Banderas in der Rolle des gealterten Filmregisseurs, der sich und seine tragischen Lebensmomente nochmals Revue passieren lässt.

Der fiktive Regisseur Salvador Mallo lässt sein bisheriges Schaffen Revue passieren, weil demnächst sein erster Film frisch restauriert aufgeführt werden soll. Es geht um Themen wie Katholizismus, Homosexualität und Exzess, um Drogenmissbrauch und enttäuschte Liebe. "Vieles in dem Film habe ich im Vorfeld niedergeschrieben, als ich mich an verschiedene Episoden aus meinem Leben erinnerte. Aber es sind vielleicht 20 Prozent des Films tatsächlich so passiert, ich werde selbstverständlich nicht verraten, welche Szenen wahr sind", sagt Almodóvar im Interview. "Nur so viel: Heroin geraucht, so wie das Salvador Mallo im Film macht, das habe ich nie. Mit Drogen hatte ich nie was am Hut."

Dennoch ist "Leid und Herrlichkeit" von allerlei Erfahrungen geprägt: "All die Wege, die dieser von Antonio gespielte Filmemacher einschlägt, habe ich auch beschritten. Doch eben nicht immer in die gleiche Richtung. Längst nicht alles, was im Film zu sehen ist, ist mir auch widerfahren", sagt Almodóvar, der den Film nicht als Lebens-Resümee verstanden wissen will. "Ich bin zwar bald 70, habe aber doch noch einiges vor im Leben und auch im Film. Die Ideen sind mir bisher nicht ausgegangen."

Am Anfang waren die Rückenschmerzen

So ist auch "Leid und Herrlichkeit" voll von diesen Ideen. "Zuerst habe ich über meine Rückenschmerzen geschrieben, so fing alles an. Die Szene, in der der Regisseur zu Therapiezwecken unter Wasser sitzt, war die erste, die fertig war. Weitere Szenen hatte ich früher geschrieben, aber nie verwendet. Zum Beispiel der Text mit dem Titel ‚Erste Begierde‘, den ich schon vor 20 Jahren geschrieben hatte, über einen jungen Burschen und sein Begehren für einen erwachsenen Mann".

Die teils lakonische Sinnsuche in einem bewegten Künstlerleben hat bei der Premiere in Cannes hymnische Kritiken erhalten und brachte Banderas am Ende den Preis als bester Darsteller. "Ich hatte für die Rolle immer nur Antonio im Kopf", sagt Almodóvar. "Und mir war wichtig, mit ihm vorab in Ruhe zu besprechen, was ich im Sinn hatte. Denn die Rolle war anders als alles, was wir früher zusammen gefilmt hatten oder er je gespielt hatte. So wie in diesem Film hat man Antonio noch nie gesehen. Gerade, weil er mich mit vielem sehr überrascht hat, war diese Regiearbeit für mich die vielleicht einfachste meines Lebens".

Und auch, dass Penélope Cruz in einer Nebenrolle zu sehen ist, hat diesem Umstand zugearbeitet. Auch sie ist eine langjährige Weggefährtin des Regisseurs: "Wegen der starken persönlichen und autobiografischen Note des Films wollte ich von Menschen umgeben sein, mit denen ich vertraut bin und die mich einfach sehr gut kennen. Sonst hätte ich diesen persönlichen Film nicht drehen können."