Einautobiografischer Film: Pedro Almodóvar (l.) mit seinem Alter Ego Antonio Banderas. - © Studiocanal
Einautobiografischer Film: Pedro Almodóvar (l.) mit seinem Alter Ego Antonio Banderas. - © Studiocanal

Antonio Banderas war einmal Zorro, das muss dringend gesagt werden. Und auch sonst legte der inzwischen 58-jährige Spanier viel Breitenwirksames aufs filmische Parkett - von "El Mariachi" über "Desperado", "Spy Kids", "Evita", bis zu der Wortakrobatik in "Shrek" oder "Der gestiefelte Kater": Eine Karriere, die ihn in den Olymp Hollywoods katapultierte, ihm eine Glamour-Ehe mit Melanie Griffith bescherte (und eine weniger glamouröse Scheidung), einen Stern auf dem "Walk of Fame", und immerhin vier Golden Globe-Nominierungen.

Begonnen hat Banderas seine Karriere allerdings in den Filmen von Pedro Almodóvar - mit Filmkunst, zu der er nun zurückkehrt. In "Leid und Herrlichkeit" (ab Freitag im Kino) spielt er das alter Ego des spanischen Kult-Regisseurs, der darin sein Leben mit allen Höhen und Tiefen Revue passieren lässt. Dass Banderas Hollywood den Rücken gekehrt hat, liegt auch an gesundheitlichen Problemen: Vor zweieinhalb Jahren erlitt der Schauspieler einen Herzinfarkt.

"Wiener Zeitung": Wieso wollte Pedro Almodóvar ausgerechnet Sie in der Rolle seiner selbst besetzen?

Antonio Banderas: Wir haben eine lange Verbindung, sind alte Freunde. Der Film dreht sich allein um ihn. Ich gehe da voll in der Rolle auf, sie hat allerdings nichts mit mir zu tun. Ich habe ihn dasselbe gefragt: Warum willst du, dass ausgerechnet ich dich spiele, Pedro? Er sagte: Weil ich die Wahrheit sehen will. Und du gibst mir die Wahrheit auf der Leinwand. Das empfand ich als sehr schönes Kompliment. Und es ist auch mein Zugang zur Schauspielerei. Ich hatte vor zweieinhalb Jahren einen Herzinfarkt, und davon lernt man unglaublich viel, unter anderem auch, was Wahrheit bedeutet. Wenn man dem Tod direkt in die Augen sieht, so wie das bei mir war, dann realisiert man sofort, welche Prioritäten sich verschieben. Ich fragte mich: Das war es also, dein Leben? Man denkt ja lange Zeit im Leben, man sei tatsächlich unsterblich.

Was hat sich nach dem Infarkt geändert?

Einfach alles. Ich habe begriffen, dass das Herz nicht nur die Pumpe des Körpers ist, sondern auch das Zentrum für jegliche Emotion. Ich lasse mich seither mehr auf meine Gefühle ein und gehe damit auch offensiver um. Das hat mir viel Seelenfrieden gegeben. Plötzlich habe ich bei traurigen Filmen geweint, das gelang mir früher nie. Als Pedro mit diesem Film auf mich zukam, wusste er von dem Infarkt. Und das ist wohl der Grund, weshalb er von Wahrheit spricht. Weil ich heute alles zulasse, was früher vielleicht unterdrückt wurde. Ich habe Antonio Banderas getötet, um endlich Raum für das zu haben, was mich eigentlich schon immer ausgemacht hat.