Als vergangenes Wochenende die San Diego ComicCon in Kalifornien stattfand, das größte Ereignis des Jahres für alle Science-Fiction- und Fanstasy-Fans, durfte natürlich die Marvel-Fraktion nicht fehlen. Auf der großen Bühne wurden die neuen Filme der sogenannten "Phase 4", der nächsten Erzählphase aus dem Marvel Cinematic Universe (MCU), präsentiert. Das MCU hatte sich mit Filmen wie "IronMan" oder "Spider-Man" zu einer sehr einträglichen Einnahmequelle des Disney-Konzerns entwickelt.

Ungewöhnlich an den neuen Projekten: In einigen der kommenden Filme stehen Frauen in der ersten Reihe. Die Superagentin Black Widow, von Scarlett Johansson gespielt, bekommt ihren eigenen Film, der von Cate Shortland inszeniert wird. Und Thors Freundin Jane, dargestellt von Natalie Portman, darf im nächsten Film der Reihe sogar den Hammer schwingen. Das scheint wohl die sehr verzweifelte Antwort der Marvel-Studios auf oft gestellte Fragen gewesen zu sein: Warum gibt es keine Filme mit weiblichen Hauptrollen? Warum gibt es keine Marvel-Filme, die von Frauen gedreht werden? Warum gibt es nur Fanartikel mit männlichen Superhelden?

Das Problem ist Folgendes...

Als in den 1930er Jahren die ersten Comics aus dem Marvel-Vorgängerverlag auf den Markt kamen, waren diese für eine männliche Leserschaft geschrieben worden. Deshalb schien es damals einleuchtend, dass Männer die Hauptrollen übernehmen würden und Frauen die Funktion des romantischen Gegenparts.

Diese Zeiten sind vorbei - "the past is in the past" - sollte man jedenfalls meinen. Aber Marvel schafft es noch immer nicht, im 21. Jahrhundert anzukommen. Zwar gab es in den Marvel-Filmen der letzten zehn Jahre immer mehr "starke" Frauencharaktere, die auch mit den Männern oder sogar gegen die Männer kämpfen. Trotzdem hat Marvel erst letztes Jahr seinen ersten Film mit einer weiblichen Hauptfigur herausgebracht: "Captain Marvel". Eine lässige Pilotin mit Superkräften, die eine Alienspezies rettet. Mit ihren phänomenalen Kräften hätte man auch annehmen können, dass sie Thanos, den Bösewicht, in "End Game", höchst persönlich ins Jenseits befördert. Aber nein, das war Iron Man - wie der Name schon sagt, ein Mann.

Und schon wieder stellt sich eine Frage: Wieso bringt Marvel eine so starke Superheldin ins Spiel, nur um sie dann nicht einzusetzen? Diese Tatsache wollte man in besagtem Film wettmachen, indem man eine kleine Szene ins Drehbuch schrieb, in der die Frauen des MCU zeigen konnten, was sie so draufhaben. Dieser Mainstream-
Feminismus schien jedenfalls gut anzukommen. Nachhaltig gestärkt hat das die Frauenfiguren im MCU allerdings nicht.