Den Superheldinnen wird nicht nur viel zu wenig Power zuerkannt, auch ihre Charaktereigenschaften sind etwas seicht. Beispiel Black Widow: In zahlreichen Marvel-Filmen hilft sie dabei, die Bösen zu vermöbeln. Dass sie eine schöne, kluge und starke Frau ist, mag so manchen männlichen Marvel-Autor irritiert haben: In dem Marvel-Film "Avengers - Age of Ultron" erklärt Black Widow doch tatsächlich, dass sie sich eigentlich nur eine Familie und ein Haus mit Garten wünscht. Und es wird noch besser: Sie macht selbstironische Witze, immer hinter ihren männlichen Superhelden-Kollegen herräumen zu müssen.

Mann rettet Frau

Auch die grüne Kämpferin Gamora, gespielt von Zoë Saldana, kann nicht einfach eine starke und determinierte Kriegerin sein. Das würde sie zu unsympathisch machen. Die männliche Hauptrolle von "Guardians of the Galaxy" Star Lord, dargestellt von Chris Pratt, kann sich nämlich erst in sie verlieben, als er sie gerettet hat. Marvel hat es somit wieder fertig gebracht, eine Frau zu einem Lustobjekt zu degradieren. Marvel schafft es nach bald zwei Dekaden Leinwand-Erfahrung immer noch nicht, von seinen patriarchalischen Wurzeln wegzukommen und den weiblichen Charakteren wirklich gerecht zu werden.

Warum ist dieses Thema so wichtig? Kursiert es bloß unter frustrierten Feministinnen? Vielleicht, aber: Das MCU ist unter der Schirmherrschaft von Disney zu der größten Franchise aller Zeiten angewachsen. Die Beliebtheit von Superheldenfilmen und deren Einspielergebnisse sind in den letzten Jahren drastisch in die Höhe gestiegen. Damit ist auch die Reichweite dieser Filme und Comics vergrößert worden. Da kommt man nicht umhin, die Frage nach der Verantwortung zu stellen. Der Medien-Riese Disney hat sich in den letzten Jahren überaus bemüht, sein Image zu verbessern. Marvel zog natürlich mit der Diversitäts-Kampagne mit und brachte 2018 "Black Panther" in die Kinos.

Warum haben sich die Marvel-Studios nun doch entschlossen, so viel Frauenpower in ihre Filme einzubinden? Dieser Mainstream-Feminismus bringt viel Geld in die Kassa. Durch vermehrte Frauenrollen gehen auch mehr Frauen ins Kino und sehen sich die Filme an, so zumindest das Kalkül.

Eine Zukunftsvision

Um das Problem des Mainstream-Feminismus in ihren Filmen zu lösen, müssten die Marvel-Studios zudem mehr Frauen beim Filmemachen beschäftigen. Es braucht eben auch Drehbuchautorinnen, Produzentinnen und Regisseurinnen in diesen sonst so männlich dominierten Berufen. Wenn tatsächlich mehr reale Frauen am Schaffensprozess beteiligt sind, kann es gelingen, auch die fiktiven Frauen zum Erfolg zu führen. Tessa Thompson, die Valkyrie aus "Thor", hat zudem schon gefordert, dass die Marvel-Frauen bald einen eigenen Film bekommen. Darin muss dann endlich niemand hinter den Männern herräumen.