Locarno. Wer kann mit einer Hand einen Airbus 319 fliegen? Joseph Gordon-Levitt kann es. Er muss es. Denn an Bord seines Fluges von Berlin nach Paris sind arabische Entführer, die das Cockpit stürmen und den Captain töten. Gordon-Levitt alias Tobias Ellis ist als Co-Pilot mit schwerer Stichverletzung an der linken Hand nun gefordert, den Flieger sicher in Hannover zu landen, nachdem er die Cockpit-Tür verriegeln konnte und die Entführer im Wortsinne draußen "anrennen" lässt. Doch die beginnen nunmehr mit der Ermordung der Geiseln im Flugzeug, was Ellis via Monitor beobachten kann. Er gerät in eine Zwickmühle, zumal mit einer Stewardess auch die Mutter seiner Tochter in der Hand der Entführer ist.

Der Deutsche Patrick Vollrath hat mit der deutsch-österreichischen Koproduktion "7500" ein Kammerspiel der Angst inszeniert; mit viel Spannung und treffsicherer Regiearbeit, aber auch dank der präzisen Mitwirkung von Joseph Gordon-Levitt gelingt Vollrath ein Thriller der Extraklasse. Menschen, die unter Flugangst leiden, werden "7500" wohl kaum sehr unterhaltsam finden, alle anderen aber können bei diesem Actionfilm auf engstem Raum allerdings perfekt mitfiebern.

Vollrath, der an der Wiener Filmakademie bei Michael Haneke Regie studierte, gelang mit seinem Kurzfilm "Alles wird gut" (2015) ein Coup: Zuerst gewann er damit den bronzenen Studenten-Oscar, dann wurde er 2016 in der Kategorie "Bester Kurzfilm" sogar für einen richtigen "Academy Award" nominiert.

"7500" (ein in der Luftfahrt gängiger Code zur Mitteilung einer Flugzeugentführung) ist sein erster Langspielfilm und zeigt, dass Vollrath viel inszenatorisches Potenzial hat, besonders für anspruchsvolle Mainstream-Stoffe. Billy Wilders Schlüsselsatz "Du sollst nicht langweilen" hat Vollrath mit "7500" jedenfalls verinnerlicht.

Auf allen vieren

Eher gegenteilig verhält es sich da mit "Space Dogs" von Elsa Kremser und Levin Peter. Der durchaus rätselhafte Film läuft in Locarno in der Reihe "Cineasti del presente", die auch unkonventionelle Strömungen im Weltkino abbilden soll.

Es geht um die streunende Hündin Laika, die 1957 als erstes Lebewesen von den Russen ins All geschossen wurde und dort starb. Doch eine Legende besagt, dass Laika als Geist zurück zur Erde kam, wo sie seither durch die Straßen Moskaus streift.

Die Filmemacher folgen einem Rudel streunender Hunde in Moskau, bleiben mit den Vierbeinern auf Augenhöhe und illustrieren deren Alltag zwischen Futtersuche und nun ja, Futtersuche. Dabei wird auch so manch anderes Getier, zum Beispiel Katzen, mit brutaler Bissigkeit getötet. Sonst passiert in "Space Dogs" nicht viel: Als Zuschauer kann man sich in die Perspektive hineinversetzen, die Hunde auf den Menschen haben, aber das ist freilich nur die Perspektive, die die Filmemacher sich erdacht haben;

"Space Dogs" versteht sich als Denkmal für russische Straßenköter, die dem Land dereinst viel Stolz und einen Vorsprung im Wettrennen um die bemannte Raumfahrt verschafften. Der Film zeigt aber auch, dass diesen Tieren nichts Glamouröses anhaftet: Sie leben, um zu überleben, und "Space Dogs" fängt die Seele dieser Tiere ein. Das reicht aber nicht unbedingt für einen Langfilm.