"Charlie hat eine Vision. Eines Tages wird er berühmter sein als die Beatles. Und wir werden ihm helfen, das zu schaffen." Das sagt eine der Jüngerinnen von Charles Manson kuhäugig in der Fernsehserie "Aquarius". Dieses Unterhaltungsprodukt aus dem Jahr 2015 zeigt, dass Manson mit seiner Vision Recht behalten sollte. Denn kein anderer Verbrecher und Sektenführer hat Film, Fernsehen, Literatur und auch Musik je so beeinflusst wie er. Besonders in jüngsten Jahren hat sich ein besonderer Hype um den mörderischen Verführer bei Drehbuch- und Romanautoren entwickelt. Er kulminiert nun in Quentin Tarantinos "Once upon a time in Hollywood", der kommende Woche in die Kinos kommt.

In einem Showdown, über den der Regisseur nichts verraten wissen will, spielt Manson eine wichtige Rolle in Tarantinos Zeitenwandel-Diagnose im Hollywood des Jahres 1969. Zugegeben, in diesem Jahr kommt man an Manson auch gar nicht vorbei - fanden da doch die berüchtigten "Manson Family"-Morde statt, unter anderem jener an Sharon Tate, Filmschauspielerin und Ehefrau von Regisseur Roman Polanski.

Mystifizierung

Charles Manson, wie Banksy richtig erkannt hat, ist überall. Zumindest in der Popkultur. - © picturedesk/eyevine/Rosie Hallam
Charles Manson, wie Banksy richtig erkannt hat, ist überall. Zumindest in der Popkultur. - © picturedesk/eyevine/Rosie Hallam

Eine ähnliche Mystifizierung geschieht im unterschätzten Film "Bad Times at the El Royale", der vor Anspielungen auf das reale Showbusiness und seine Verschränkungen mit dem Kriminal nur so strotzt. Das Hotel selbst soll an Cal-Neva erinnern, jenes Resort, das Frank Sinatra (zusammen mit Dean Martin und einem Chicago-Mafioso) gehörte und das genau an der Grenze zwischen Nevada und Kalifornien lag. Die Kennedy-Brüder gingen dort ein und aus - auch darauf wird angespielt - und Verschwörungstheoretikern zufolge soll auch Marilyn Monroe dort gestorben sein. Es verwundert nicht, dass auch eine an Manson angelehnte Figur dort auftaucht, um eins ihrer Killerschäfchen wieder einzufangen. Faszinierend ist dabei aber vor allem, wie schnell man erkennt, dass es sich um Manson handelt, wenn man in kurzen Rückblicken einen Mann sieht, der ein einsames Mädchen tröstend-magnetisch aufrichtet, das schon bald einen irren Blick und wenig Impulskontrolle mit Waffen bekommt.

Der US-Mörder Charles Manson auf einem Archivfoto aus 1971. - © dpa
Der US-Mörder Charles Manson auf einem Archivfoto aus 1971. - © dpa

Fakt und Fiktion

Es mag daran liegen, dass die Manson-Strategie oder vielleicht auch das Manson-Klischee in der Popkultur schon so oft wiedergegeben und so tief verankert ist, dass man ihn quasi blind erkennt. Fernsehfilme griffen die Mordserie mit dem "Helter Skelter"-Schlachtruf schon ab den 70er-Jahren auf, dazu kamen fiktionalisierte Bearbeitungen des Materials. Klassische Horrostreifen wie "Manson Family Vacation", der für sein Blutvergießen eine der makabren Touristentouren zu den Tatorten der Manson-Morde als Ausgang nimmt. Oder der alternativ-historische "Honky Holocaust", in dem - ähnlich wie bei Büchern, in denen Hitlerdeutschland den Krieg gewonnen hat - sich die Mansonsche krude Rassentheorie durchgesetzt hat. Zu der hat sich Manson übrigens - völlig fehlinterpretiert - vom "White Album" der Beatles inspirieren lassen.