Hollywood-Stars sind großartig darin, viel zu reden, aber nichts zu sagen. Das ist auch wichtig: Denn wer will der sensationsgierigen Presse schon ein gefundenes Fressen frei Haus servieren, indem man sich etwa zu brenzligen Themen äußert? Zu Kriegen, zu Flüchtlingen, zu Schwulen, zu Politikern, zu Werten?

Hilary Swank hat nicht viel gesagt, aber viel geredet. In Locarno, beim Filmfestival, wo man ihr einen Ehrenpreis überreicht hat vergangenes Wochenende. Swank ist eigentlich eine Ikone der LGBTQ-Bewegung, sie ist spätestens seit dem Film "Boys Don’t Cry" (1999), für den sie ihren ersten Oscar erhielt, ein Symbol für mehr Toleranz bei Geschlechter-Fragen. In dem Film spielte sie Brandon Teena, einen Mann, der sich im falschen Körper wähnte, denn dieser war weiblich. Diese wahre Geschichte endete tragisch: Man hatte Teena 1993 zuerst vergewaltigt und schließlich ermordet.

"Für die damalige Zeit empfanden wir es als richtig, dass ich als Frau diese Figur gespielt habe. Nun, 20 Jahre später, könnte es aber auch jemand sein, der so wie Brandon empfindet", sagt Hilary Swank in Locarno vor Journalisten, mit denen sie Rückschau auf ihre Karriere hielt.

Verbotenes Thema

So ganz ergiebig war das nicht: Selbst hier, im beschaulichen Schweizer Tessin, haben schon Hollywood-Maßstäbe Einzug gehalten. Das merkt man zum Beispiel daran, dass der große Stargast des Festivals von Jahr zu Jahr belagerter wird, einerseits von Fans, andererseits von der Presse: Vor zehn Jahren saß man noch zu dritt mit Anthony Hopkins beim fast einstündigen Interview. Sir Christopher Lee gab seine Interviews 2013 schon vor Fünfer-Runden von Journalisten. Bei Meg Ryan im Vorjahr saßen gut 15 Journalisten im Raum und lauschten der Filmdiva. Die Bestuhlung für das Treffen mit Hilary Swank umfasste bereits 25 Sessel. Und bitte keine Fotos und keine Videoaufnahmen! Personen des öffentlichen Lebens, wie Swank sie eine ist, könnten dabei ja vor Schreck in Ohnmacht fallen.

Journalisten machen den Zirkus (einstweilen noch) mit, aber griesgrämig. Noch dazu, weil es dann um das eigentlich spannende Thema an diesem Nachmittag gar nicht gehen durfte: "Frau Swank beantwortet keinerlei Fragen zum Film ‚The Hunt‘", verlautete die Italienisch-Dolmetscherin vor der Ankunft der zweifachen Oscar-Preisträgerin. Man brauche solche Fragen also gar nicht erst stellen, denn es gäbe darauf ohnehin keine Antwort.

Was war geschehen? Viele in der Runde der Journalisten wussten selbst noch gar nicht, worauf sich dieses Schweigegelübde bezog. Tags zuvor hatte US-Präsident Trump mit einem seiner legendären Tweets just diesen Film quasi zum Staatsfeind erklärt. "The Hunt", in dem Swank eine der Hauptrollen spielt, soll eine bitterböse Sozialsatire über Arm und Reich in den USA sein, in der es um die tiefen Gräben zwischen den Bevölkerungsschichten geht und in der reiche Bürger mit Schusswaffen Jagd auf Arme machen, aus purer Lust am Morden. Das gefiel konservativen Kreisen nicht, vor allem vor dem Hintergrund der traurigen Bilanz der zwei kürzlichen Shootings in El Paso und Dayton mit insgesamt 31 Toten. Und Donald Trump stand an der Spitze der Kritiker, auch, weil es Liberale sind, die in dem Independent-Film Jagd auf potenzielle Trump-Wähler machen. Er twitterte: "Das liberale Hollywood ist zutiefst rassistisch und voller Zorn und Hass. Sie nennen sich gerne ‚Elite‘, aber sie sind keine Elite. Es sind oft die Menschen, die sie so stark bekämpfen, die in Wahrheit die Elite sind. Der Film wurde gemacht, um einen Brand zu legen und Chaos zu erzeugen. Sie schaffen ihre eigene Gewalt und versuchen, anderen die Schuld zu geben. Sie sind die wahren Rassisten und sehr schlecht für unser Land." Kurze Zeit danach hat Universal Pictures den Start des Films vorerst abgesagt; man sehe ein, dass der Zeitpunkt dafür aus aktuellem Anlass nicht der richtige wäre.