(greu) Der Originaltitel trifft die Tonalität des Films deutlich besser als der deutsche Titel "Streik". "En guerre" heißt "Im Krieg", und in einen solchen ziehen die Protagonisten: Die Mitarbeiter eines Automobilzulieferers gehen auf die Barrikaden, als ruchbar wird, dass das Werk im südfranzösischen Aden geschlossen werden soll.

Der Eigentümer der Firma, die deutsche Schäfer-Gruppe, hatte den Arbeitern erst vor zwei Jahren die Arbeitsplätze garantiert, wenn sie eine Lohnkürzung in Kauf nehmen würden. Mindestens fünf Jahre sollte das Werk weiterhin Bestand haben. Doch daraus wurde nichts. Jetzt gehen die Arbeiter unter Amédéos (Vincent Lindon) Führung auf die Straße: Sie legen die Arbeit nieder, gehen in einen unbefristeten Streik, verhandeln hart und blockieren die Fabrik. Die deutschen Eigentümer wollen den Streik offenbar aussitzen. Es dauert nicht lange, bis innerhalb der Streikenden die Moral zu bröckeln beginnt.

Arbeiterkino mit Charisma

Es wird schwieriger, die Menschen für das Ziel zu begeistern, zumal einmalige Abfertigungen winken, wenn sich die Arbeiter für einen "Golden Handshake" entscheiden. Das Unglaubliche dabei: Die Schäfer-Gruppe schreibt satte Gewinne, die Schließung des Werks wäre gar nicht nötig. Schon in "Der Wert des Menschen" spielte Vincent Lindon unter Stéphane Brizés Anleitung einen Langzeitarbeitslosen und wurde mit dem Darstellerpreis in Cannes geehrt. "Streik" ist nun ein weiterer Film des Duos, das an den sozialen Brennpunkten Frankreichs forscht; Brizé gelingt dank Lindon ein ebenso leidenschaftliches wie charismatisches Arbeiterkino, famos gespielt und atmosphärisch dicht inszeniert.