Kommendes Jahr ist es 25 Jahre her, dass Pixar Studios mit dem ersten komplett im Computer erstellten Langspielfilm Geschichte schrieb. "Toy Story", das Abenteuer rund um den eifersüchtigen Cowboy Woody, der sich von Spielzeug-Weltall-Ranger Buzz Lightyear in seiner Funktion als Lieblingsspielzeug bedroht sieht, schlug ein wie eine Bombe. Vier Oscars gewann das Meisterwerk an der Wiege des modernen Animationsfilms damals. Auch die Botschaft kam gut an.

Zwei Fortsetzungen der Geschichte waren da nur logisch, und dabei hätte man es durchaus auch belassen können. Nun kommt also der vierte Teil ins Kino - im Trailer nimmt man ironisch darauf Bezug: "Kannst Du das glauben, jetzt haben Sie einen vierten Teil gemacht" sagt da ein Spielzeug kopfschüttelnd. Aber zum Kopfschütteln gibt es keinen Anlass. Denn "Toy Story" hat auch im vierten Anlauf nichts von Frische und Humor eingebüßt.

Die Story ist rasch erklärt und - ganz ehrlich - das zahlt sich kaum aus, denn sie ist einigermaßen beliebig. Die Spielzeuge sind beim kleinen Mädchen Bonnie gelandet, die sie von Andy, dem Buben aus Teil eins, bekommen hat. Denn Andy ist aufs College gegangen. In Bonnies Schrank stellt sich Woody bereits auf sein Leben als ungeliebtes Spielzeug ein, bis der erste Tag in der Vorschule das Mädchen aus der Bahn wirft und Routinier Woody mit seiner Erfahrung den Tag - und in der Folge alle anderen Spielzeuge rettet. Eine tragende Rolle spielt dabei eine böse Puppe, die Woody an den Kragen will.

Doch darum geht es nicht, wichtiger ist ohnehin die Botschaft. "Toy Story" ist eine Geschichte voller Nachhaltigkeit und gegen den Konsumwahn. Dass Spielzeuge ein Kind nach dem anderen erfreuen und glücklich machen können und auch alte Spielzeuge Freude bereiten und eine Stütze sein können, ist keine Kleinigkeit. Es muss nicht immer das allerneueste sein, auch ein im Park gefundenes oder gebrauchtes Spielzeug kann zum Liebling aufsteigen. Die Ironie an der Sache, dass Disney (das Pixar kauft) nun wieder Merchandise im Millionenwert umsetzen wird, steht natürlich auf einem anderen Blatt. Aber wenn die alte Puppe Gabby nach Jahrzehnten im Regal ein kleines Mädchen, das sich verlaufen hat und weint, trösten kann, dann ist das an Symbolik kaum zu überbieten. Die Puppe hat endlich wieder ein eigenes Kind und das Kind hat eine neue Freundin. Da bahnt sich ein Happy End an.

Auch Abfall kann man lieben

Doch noch eine Ebene hat der Film. Die Spielzeuge emanzipieren sich und lernen, dass man auch ohne ein eigenes Kind glücklich sein kann. Wenn das zerbrechliche Porzellinchen, die von ihrem Woody getrennt wird, Jahre später als starke Figur ihr Leben und die Lage in einem Freizeitpark voll im Griff hat, ist das auch eine wertvolle Lektion. Das Leben anzunehmen, wie es ist und jede Veränderung auch als Chance zu sehen, klingt immer nach einem guten Plan. Auch wenn man eine Porzellanfigur aus den Fünfzigern ist. Und dass auch ein selbst gebasteltes, alles andere als perfektes Spielzeug aus Abfall eine wichtige Rolle im Leben eines kleinen Mädchens einnehmen kann, ist toll. Es muss nicht immer alles perfekt sein, um der Liebe würdig zu sein - was für eine schöne Botschaft.

Dass sich im US-Original das schon legendär-genialische Duo Tom Hanks (Woody) und Tim Allen (Buzz) genauso ein Stelldichein geben wie Keanu Reeves (als Duke Kaboom) kann als Anreiz gesehen werden, den Film vielleicht doch im Original zu sehen. Aber Michael Bully Herbig ist als Woody auch keine schlechte Besetzung. In Summe ein wunderbarer Sommerfilm.