Der Linzer Jung-Regisseur Gregor Schmidinger, Jahrgang 1985, legt mit "Nevrland" (ab Freitag im Kino) seinen ersten Langfilm vor. Darin geht es schon wie in seinen Kurzfilmen "The Boy Next Door" (2008) und "Homophobia" (2012) um LGBT-Themen: Jako ist 17 Jahre alt und ein verunsicherter Teenager, den viele Ängste quälen. Hilfe sucht er im Internet. In dieser anonymen und oft fiktiven Welt findet er Zuflucht. Als er in einem Sex-Cam-Chat den 26-jährigen Künstler Kristjan kennenlernt, beginnt für ihn eine transpersonale Reise nach Nevrland und zu den Wunden seiner Seele.

"Wiener Zeitung":Sie bezeichnen "Nevrland" gern als "tiefenpsychologisches Coming-of-Age-Drama". Inwieweit ist der Zugang zum Thema persönlich und welche Selbsterfahrungen stecken im Film?

Gregor Schmidinger: Auch, wenn der Film nicht autobiografisch ist, so stecken doch viele persönliche Erfahrungen und Details darin. So war ich selbst jahrelang mit einer starken Angststörung konfrontiert. Der Schreibprozess war für mich eine intensive Auseinandersetzung, die künstlerische Annäherung an das Thema war hilfreich. Es gibt den altbekannten Ratschlag: "Schreibe, was du kennst." Gerade für junge Autoren eine Möglichkeit, eine Geschichte authentisch zu erzählen.

Lost im virtuellen Raum. - © Filmladen
Lost im virtuellen Raum. - © Filmladen

Angst- und Panikstörungen treten in unserer Gesellschaft immer häufiger auf. Woran liegt das, und gibt es einen Hinweis darauf, ob das mit unserem Kommunikationsverhalten zu tun hat?

Da spielen viele Faktoren mit. Es gibt aber tatsächlich Hinweise darauf, dass moderne Kommunikationsmittel und allen voran Social Media einen großen Beitrag dazu leisten. Sich selbst konstant mit einer ausgewählten und inszenierten Version anderer zu vergleichen, kann auf Dauer die Selbstwahrnehmung verzerren und den Selbstwert angreifen, wie Studien bereits belegt haben. Hinzu kommt, dass wir in der Aufmerksamkeitsökonomie leben. Es wird immer schwieriger, alleine mit sich selbst zu sein. Diese Phase scheint aber eine wichtige Funktion für das Regulieren von Emotionen und Verarbeiten von Erfahrungen zu haben.

Gregor Schmidinger.
Gregor Schmidinger.

Angst ist auch ein Mittel, um sich selbst zu schützen. Wie stehen Sie zu dieser Annahme?

Das ist die biologische Funktion von Angst: den Organismus vor Verletzungen zu bewahren. Problematisch wird es nur, wenn das System aus dem Gleichgewicht gerät und Angst chronisch wird. Dann kommt irgendwann die Angst vor der Angst.