- © Larry Horicks
© Larry Horicks

Als "größter Solotänzer der Geschichte" bezeichnete er sich selbst, als "Tanzgott" wurde er von seinen Fans verherrlicht: Rudolf Nurejew (1938 bis 1993) zählt bis heute zu den unvergesslichen Ballettstars. Ralph Fiennes nimmt sich in seiner jüngsten Regiearbeit des Lebens des exzentrischen sowjetischen Star-Tänzers an.

Dabei konzentriert sich Fiennes hauptsächlich auf einen Lebensabschnitt Nurejews, der seine weitere Karriere maßgeblich prägen wird: seine spektakuläre Flucht in den Westen.

In kurzen Rückblicken erzählt Fiennes von Nurejews Geburt im Transsibirien-Express am Weg nach Wladiwostok, oder von seinen Tanzanfängen in einer Folkloregruppe. Es sind farblos gehaltene Szenen, die dem Publikum die Möglichkeit bieten, Nurejews späteren exzentrischen Charakter und vor allem seine Liebe zur Kunst und zur Freiheit nachzuvollziehen.

Sein Förderer und Lehrer ist Alexander Iwanowitsch Puschkin (Ralph Fiennes), der mit Ruhe und Gelassenheit, vielleicht auch Resignation aufgrund der vorherrschenden politischen Verhältnisse, versucht, Nurejews Talent und seinen Charakter zu formen.

1961 gastiert Nurejew erst 23-jährig mit dem Kirow-Ballett am Pariser Palais Garnier. Farbenfroh setzt Fiennes diesen Aufenthalt in Szene. Hier genießt Nurejew trotz stetiger Maßregelungen des omnipräsenten sowjetischen Geheimdienstes das Pariser Nachtleben und die Kunst, bis er vor dem geplanten Rückflug am Flughafen Le Bourget um politisches Asyl ansucht. Kein russischer Tänzer vor ihm war jemals übergelaufen, sein Schritt erregte weltweites Aufsehen.

Der ukrainische Tänzer Oleg Ivenko überzeugt als Nurejew nicht nur in den langen Tanzsequenzen. Fiennes gelingt es, dem Biopic neben der künstlerischen auch eine zusätzliche politische Ebene zu verleihen.