Beim Filmfestival in Zürich ist alles ein wenig anders als sonst in der Festivalwelt. Der rote Teppich ist hier nämlich grün, und die Stars, die gerne zahlreich nach Zürich kommen und über diesen Teppich schreiten, müssen warten, wenn gerade eine Tram vorbeifährt. Denn die Straße zu sperren, die zum Festivalzentrum am Sechseläutenplatz führt, das ist den Schweizern noch nicht eingefallen. Mit der grünen Farbe will das Festival jedenfalls zeigen, dass es als Gesamtveranstaltung klimaneutral abläuft. Seit 2010 ist das so, seit damals liegt hier der grüne Teppich als Symbol für die Umweltverträglichkeit der Schau.

Die Filmschau, die heute, Donnerstag, eröffnet wird, geht heuer zum 15. Mal über die Bühne und hat sich zum Publikumsmagneten entwickelt: 2005, bei der ersten Ausgabe, kamen 8000 Besucher, zehn Jahre später waren es schon 85.000, im Vorjahr fiel die 100.000-Besucher-Marke. Eine Erfolgsgeschichte in Zahlen, und durchaus mit der Größe der Viennale zu vergleichen, die alljährlich ebenfalls fast 100.000 Besucher anlockt.

Gelder aus der Wirtschaft

Das aktuelle Intendanten-Duo Schildknecht/Spoerri hört nach dem Festival auf. - © zff
Das aktuelle Intendanten-Duo Schildknecht/Spoerri hört nach dem Festival auf. - © zff

Die großen Unterschiede zwischen dem Wiener Festival und jenem in Zürich liegen in der programmatischen Ausrichtung und in der Strahlkraft. Zürich verfügt über stolze acht Millionen Franken Budget, und der Gutteil von fast 90 Prozent davon kommt aus der Wirtschaft, nicht von der öffentlichen Hand. Ein Kunststück, das in Österreich kaum zu bewerkstelligen wäre; die Viennale und auch die Diagonale in Graz kämpfen seit Jahren gegen wegbrechende Sponsoren und schrumpfende Unterstützung aus der Wirtschaft.

Während die Viennale versucht, einen aktuellen Überblick über das Weltfilmschaffen zu zeigen und dabei durchaus auch die Schwerpunkte ihrer Leiterin Eva Sangiorgi durchblicken lässt, ist man in Zürich bislang eher vor einem Wildwuchs an Filmen gestanden; wichtig waren hier die Stars, die Präsenz des Schweizer Kinos und natürlich auch die Popularität der Filme. Ob und inwieweit sich das ab dem kommenden Jahr ändern wird, ist offen: Dann nämlich legt das Intendanten-Duo, bestehend aus Nadja Schildknecht und Karl Spoerri, seine Arbeit nieder. Zusammen hatten sie die Filmschau 2005 aus der Taufe gehoben, ab dem kommenden Jahr übernimmt dann der Filmjournalist Christian Jungen die künstlerische Leitung - und das führt zu einer weiteren Besonderheit des Festivals: Es ist seit drei Jahren nämlich Teil der NZZ-Gruppe, Jungen schreibt seit langem für die "Neue Zürcher Zeitung". Ein Unikat, dass sich ein Medienhaus auf Veranstaltungsebene eine derartige Großveranstaltung antut, offenbar aber mit Erfolg: Das Prestige der Filme und der Stars soll sich auch positiv auf die Marke NZZ auswirken.

Viele Stars

Im heurigen Jahr dürfte da einiges an Imagegewinn hinzukommen. Ein Drittel der gut 170 Filmen aus 60 Ländern wird in insgesamt drei Wettbewerben gezeigt, als Stars haben sich Javier Bardem, Julie Delpy, Kristen Stewart und Cate Blanchett angesagt; Letztere bekommt zu Ende der Filmschau den Ehrenpreis. Stolz ist man bei den Organisatoren, dass diesmal ein Drittel der Filme von Frauen inszeniert wurde.

Angeführt wird die Jury aber von einem Mann: Regisseur Oliver Stone ist als Jurypräsident dabei, jedoch nicht das erste Mal in Zürich. Er zählt hier zu den Stammgästen, ebenso wie US-Regisseur Ron Howard, der dieses Jahr seine Pavarotti-Doku mitbringt. Todd Phillips zeigt seinen soeben in Venedig uraufgeführten und dort zum strahlenden Sieger erkorenen Film "Joker" mit Joaquin Phoenix, und für Roland Emmerich rollt man den grünen Teppich aus und widmet ihm eine Retrospektive. In Zürich hat das populäre Kino eben die Oberhand.

Und die Umwelt: Passend zum grünen Teppich eröffnet die Filmschau am Donnerstag mit einem Film über einen Umweltaktivisten: "Bruno Manser - Die Stimme des Regenwaldes" von Niklaus Hilber ist mit einem Budget von sechs Millionen Franken eine Schweizer Großproduktion, die das Festival stolz in die Auslage stellt.