So gerne wäre Eric Pleskow noch einmal in sein geliebtes Wien gekommen, aus dem er einst geflohen war, als junger Mann in den 1930er Jahren. Doch Pleskow hat Wien verziehen, hat später die Präsidentschaft der Viennale übernommen, der er bis zuletzt vorstand und die zu seinem Bindeglied in die alte Heimat wurde. Seit ihn Rückenprobleme von der Teilnahme am Festivalauftakt 2011 abhielten, musste er "seinen" Festspielen wiederholt fernbleiben, unterhielt aber stets mit amüsanten Grußbriefen zum Auftakt das Publikum. Sein Wunsch, noch einmal im Gartenbaukino nach vorne auf die Bühne zu gehen, bejubelt vom Viennale-Publikum, und dann eine süffisant-zynische, gewitzte, politikkritische Rede zu schwingen, dieser Wunsch wird ihm nicht erfüllt werden. Am Dienstag verstarb der Wien stets verbunden gebliebene Viennale-Präsident mit 95 Jahren in den USA.

"Kino war mein Leben", wurde Pleskow niemals müde zu betonen. Als Viennale-Präsident war er den meisten Wienern als eben jener nette ältere Herr bekannt, der eine große Karriere im Ausland gemacht hat, aber seine Heimat nie vergessen hat. In Hollywood ist er zu einem der großen Filmtycoons geworden, nachdem er nach seiner Flucht aus Wien eher zufällig beim Film gelandet war.

Im Laufe seiner Karriere zeichnete Pleskow als Oscar-prämierter Produzent bei zahlreichen Kinomeisterwerken mitverantwortlich. 1973 wurde Pleskow Präsident von United Artists. Unter ihm gelang es diesem Filmstudio, drei Jahre hintereinander den Oscar für den besten Film zu gewinnen: 1975 für "Einer flog über das Kuckucksnest", 1976 für "Rocky" und 1977 für "Der Stadtneurotiker".

Einer der zentralen beruflichen Wegbegleiter Pleskows abseits der Viennale war zweifelsohne Woody Allen, für den er 20 Filme produzierte, darunter besagten "Stadtneurotiker" und "Hannah und ihre Schwestern" (1986).

1978 verließ Pleskow United Artists und gründete Orion Pictures, wo er bis 1992 an der Spitze stand. Die größten Erfolge des Studios unter Pleskows Führung waren "Amadeus", "Der mit dem Wolf tanzt", "Das Schweigen der Lämmer", "Platoon" und "Terminator".

Der perfekte Film

Kein Wunder, dass jemand wie Pleskow, der nach eigenen Angaben jedes eingesandte Drehbuch persönlich gelesen hat, ein Rezept für den perfekten Film hatte: "Nehmen Sie eine berührende Geschichte, ein gutes Drehbuch und einen leidenschaftlichen Regisseur. Dann braucht man auch noch einen bekannten Hauptdarsteller und eine große Portion Glück." Das augenzwinkernde Element in seinem Leben war zu jeder Zeit präsent. Neben Woody Allen arbeitete er mit Regiegrößen wie Billy Wilder, Francis Ford Coppola, Federico Fellini und Martin Scorsese, außerdem entdeckte er Oliver Stone, Milos Forman und Sylvester Stallone.

Pleskow, am 24. April 1924 als Erich Pleskoff geboren, entstammte einer Wiener Kaufmannsfamilie, die 1938 auf gefährlichen Fluchtwegen über Paris in die USA gelangte. Dort gelang ihm mit viel Fleiß und Einsatz eine große Karriere. Er absolvierte ein Ingenieurstudium und kam über verschiedene Tätigkeiten mit dem Dokumentarfilm in Berührung. "Zuerst hab‘ ich Kaffee geholt, dann am Schneidetisch als Editor begonnen", erinnerte er sich einmal in einem Interview.

Als Mitglied der US-Militärregierung kehrte Pleskow, der die amerikanische Staatsbürgerschaft angenommen hatte, nach Europa zurück und baute in München die bayerische Nachkriegsfilmindustrie mit auf. Er wiedereröffnete die Bavaria-Studios, vergab Lizenzen an neue Filmfirmen wie Constantin, war für die Entnazifizierung von deutschen Filmschaffenden zuständig. 1946 bis 1948 war er als Filmberater für das War Department tätig, danach war er zwei Jahre lang stellvertretender Geschäftsführer der Motion Picture Export Association (MPEA) in Deutschland und Repräsentant für die Sol Lesser Productions.

Große Ehrungen

Nach den Jahren bei United Artists und Orian gründete Pleskow mit Barry Spikings eine eigene unabhängige Filmgesellschaft. Gemeinsam mit Leon de Winter und der gemeinsamen Firma Pleswin Entertainment produzierte er etwa 2001 Sönke Wortmanns "Der Himmel von Hollywood".

Zuletzt lebte Pleskow in Westport, Connecticut, eine Zugstunde von New York entfernt. Anerkennung von jener Stadt, aus der er einst fliehen musste, erhielt er in Form des Goldenen Verdienstkreuzes 1971 und der Ehrenbürgerschaft Wiens 2007 – für ihn die "wahrscheinlich wichtigste Auszeichnung, die ich je erhalten habe". 2009 folgte das Große Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich. (greu)