Was sind die Freuden der Pflicht? Auf diese Frage findet Siggi Jepsen (Tom Gronau) in der Deutschstunde keine Antwort und er gibt dem Lehrer ein weißes Blatt Papier ab. Nicht ohne Folgen: Da Sigi in einer Anstalt für schwer erziehbare Jugendliche einsitzt, kommt er in eine Einzelzelle. Dort beginnt er wie besessen die Erlebnisse seiner Kindheit zur Zeit des Zweiten Weltkriegs niederzuschreiben: Seinem tyrannischen Vater und Polizisten (Ulrich Noethen) übertragen die Nazis die Aufgabe, er solle dafür sorgen, dass sein Freund, der expressionistische Maler Max Ludwig Nansen (Tobias Moretti), sich an das ausgesprochene Malverbot halte. Aus Jugendfreunden werden nach und nach erbitterte Feinde.

Tobias Moretti als Maler Max Ludwig Nansen. - © Constantinfilm
Tobias Moretti als Maler Max Ludwig Nansen. - © Constantinfilm

Der Bub Sigi (Levi Eisenblätter) steht zunächst zwischen den Fronten, zwischen seinem oftmals brutalen und lieblosen Vater sowie seinem sensiblen, verständnissvollen Patenonkel. Doch Sigi erkennt, dass der Wahnsinn um die sogenannte "entartete Kunst" und die blinde Obrigkeitshörigkeit seines Vaters, die dieser als Pflichterfüllung sieht, Freiheit und Kreativität verhindern.

Noch nach dem Krieg versucht der Jugendliche, Bilder seines Patenonkels zu stehlen, um sie gleichsam zu retten, so kommt der Kunstdieb in die Anstalt.

Regisseur Christian Schwochow und seine Mutter Heide verdichteten bemerkenswert den epochalen 600 Seiten starken Roman "Die Deutschstunde" von Siegfried Lenz über die Verquickung von Schuld und Pflicht während der NS-Zeit. Der zweistündige Film wurde vor allem in dunklen, düsteren Tönen gedreht - Farbe taucht nur in Max Ludwig Nansens Bildern auf. In langen symbolträchtigen Landschaftsaufnahmen lässt sich Schwochow oft pathetisch viel Zeit. Die Schauspielerriege hingegen, allen voran Ulrich Noethen, zeigt großes Kino.