François Ozon nimmt sich in "Gelobt sei Gott" eines der aufsehenerregendsten Kirchenskandale Frankreichs an: 30 Jahre lang hat Alexandre (Melvil Poupaud) geschwiegen über das, was ihm als junger Pfadfinder widerfuhr: In Lyon wurde der Knabe von Priester Bernard Preynat mehrfach sexuell belästigt und missbraucht. Sein Aufschrei bringt noch viele weitere damalige Opfer ans Licht: Immer mehr melden sich und man gründet bald den Verein "La parole libérée" (Das befreite Wort), der auf die Zustände unter Priester Preynat aufmerksam machen will - zumal der beschuldigte Priester immer noch in Amt und Würden ist und auch nach wie vor mit Kindern arbeitet. Der zuständige Kardinal Philippe Barbarin, der Erzbischof von Lyon, verurteilte zwar die pädophilen Übergriffe, zog aber keine Konsequenzen. Der Tenor: "Gottseidank sind die meisten Fälle bereits verjährt." Warum sollte man also alte Wunden aufreißen?

Ozon gelingt eine sehr penible, dichte Aufarbeitung der Opfer-Geschichten aus diesem realen Fall, der noch immer nicht abgeschlossen ist. Zwar wurde Preynat mit der kirchlichen Höchststrafe belegt und verlor seine Priesterwürde, und auch Barbarin wurde wegen Vertuschung verurteilt, legte allerdings Berufung ein. Ozons komplexe Schilderung der Opfergeschichten ist spannend inszeniert (bei der Berlinale gab es den Großen Preis der Jury), die knapp eine Million Zuschauer in Frankreich können aber auch als Protest gegen den Missbrauch in der katholischen Kirche verstanden werden.