Ist sie nun gut oder böse? Vielleicht beides? Aber ist die Schwarzgekleidete bei Disney nicht prinzipiell böse und die Weißgekleidete gut? - Ganz so vorhersehbar ist "Maleficent - Mächte der Finsternis" nicht.

Während der erfolgreiche erste Teil "Maleficent - Die dunkle Fee" im Jahr 2014 offenbarte, weshalb sich das Herz der Fee verdunkelte und sie dazu brachte, die neugeborene Prinzessin mit einem Fluch in ewigen Schlaf zu versenken, setzt das Sequel mehrere Jahre nach den Ereignissen des ersten Films ein: Aurora (Elle Fanning) ist nun erwachsen und wurde von ihrer Ziehmutter Maleficent (Angelina Jolie) zur Königin der Moore gekrönt. Die dunkle Fee ist über die Jahre nun gar nicht mehr so dunkel, sondern eher - auf gut Wienerisch - ein ang’rührtes Häferl. Nachdem Aurora und Prinz Philip (Harris Dickinson) aus dem Königreich Ulstead beschließen zu heiraten, nimmt das vorprogrammierte Unheil seinen Lauf: Mit der Welt der Menschen und jener der Feen prallen zwei verfeindete Fronten aneinander.

Bitterböse Rache

Beim Kennenlern-Abendessen der Elternteile bricht das Fiasko aus, König John (Robert Lindsay), der begeistert auf die Verschmelzung der beiden Welten reagiert, fällt in einen tiefen Schlaf. Für Königin Ingrith (Michelle Pfeiffer) ist klar: Maleficent hat ihn verflucht. Doch dies ist erst der Beginn einer bitterbösen Rache der Königin an den Fabelwesen. Maleficent flieht verletzt in Körper und Seele, ein Krieg zwischen den Menschen und den mystischen Wesen scheint unaufhaltsam.

Anstelle von Robert Stromberg führt beim zweiten Teil Joachim Rønning ("Pirates Of The Caribbean -Salazars Rache") Regie in diesem Werk reich an visuell bombastischen Effekten (unglaubliche Flugaufnahmen), entzückenden Fabelwesen (auch die drei Feen dürfen nicht fehlen, obwohl sie leider zu Randfiguren degradiert sind) und opulenten Kostümen in einer märchenhaften Inszenierung.

Inhaltlich herrscht eine Überambitioniertheit an Versatzstücken, die noch für einen dritten Teil gereicht hätten. Hier werden diese nur oberflächlich abgehandelt und enden in einem Showdown, der die inhaltlichen Mankos ganz schnell vergessen lässt - und mitten drinnen: Angelina Jolie und Michelle Pfeifer. Beide sind in den letzten Jahren wenig zu sehen gewesen. Nun bedauert man dies noch mehr: Jolie verleiht der dunklen Fee einen ambivalenten Charakter. Großartig sind ihre Momente, wenn sie etwa Aurora vor der Liebe warnt oder im Spiegelbild eines Sees zu lächeln übt. Pfeifer spinnt einnehmend ihre Intrigen - eiskalt. Das Zusammentreffen der beiden ist ein Höhepunkt dieses Films. Elle Fanning nimmt man in ihren Disney-Prinzessinen-Pastellton-Kleidern nicht ihre Position als Königin der Moore ab, und auch Harris Dickinson belebt die Figur des Prinzen nicht.

Dennoch: Die aktuelle Thematik des Films, nämlich das Ausplündern der Natur - hier: Feenwelt - durch die Menschheit und das Lernen von Akzeptanz, verpackt in ein außergewöhnliches visuelles Spektakel, sowie die beiden Grande Dames der Schauspielkunst können für den Film begeistern.