Anja Salomonowitz

Anja Salomonowitz schenkt dem Objektkünstler Daniel Spoerri ihren jüngsten künstlerischen Dokumentarfilm.

- © Katharina Sartena
Anja Salomonowitz schenkt dem Objektkünstler Daniel Spoerri ihren jüngsten künstlerischen Dokumentarfilm.
- © Katharina Sartena

Schon seit ihrer Kindheit wollte Anja Salomonowitz ausschließlich Filme machen. "Ich habe mich damit aus der Realität weggeträumt. Das habe ich als sehr befreiend und angenehm empfunden. Es gab für mich nie etwas anderes", sagt die 42jährige Wienerin im Gespräch mit dem "Wiener Journal". Wobei, ein kurzes Intermezzo gab es dennoch: Zwei Monate lang wollte sie Fotografin werden, als ihr ihr Vater eine Nikon schenkte.

Nach der Matura studierte sie Kunstgeschichte – "auch wegen dem Wissen rund um Bildsprache und -aufbau", im Jahr darauf bewarb sie sich an der Filmakademie in Wien und später auch in Berlin, wo sie sich dem Filmschnitt und der Filmregie widmete. "Während meines Studiums habe ich für Ulrich Seidl gearbeitet: Zuerst Casting für einen Film, dann Aufnahmeleitung, dann war ich Regieassistentin", so die Regisseurin. "Ich möchte nicht Filme wie er machen, aber es hat mich sein Weg interessiert." Salomonowitz sei es immer darum gegangen, Dokumentarfilme zu machen, die aber nicht aussehen wie Dokumentarfilme: "Anhand der Realität treffe ich eine Aussage. Die Filme dürfen polemisch sein, sie dürfen gestaltet sein und sie dürfen künstlerisch sein."

Heute hält sie diesbezüglich Master Classes an diversen Universitäten und Filmfestivals. Sie habe versucht, so die Künstlerin weiter, – und dabei gehe es immer um die Unterstützung des Inhalts durch die Form – eine Bildsprache zu finden: Einerseits durch die Farben, andererseits durch das Schema, dass die Personen im Bild immer rechts oder links sitzen und nicht in der Mitte. Dies erreicht sie mithilfe großer Tableaus, um eine "malerisch-poetische Übersetzung der Realität" zu finden. Künstlerische Dokumentarfilme sozusagen, die die Grenzen und Möglichkeiten des Dokumentarischen hinterfragen und auf den Kopf stellen wie etwa in "Kurz davor ist es passiert" (2006), ein Film über Frauenhandel, oder "Die 727 Tage ohne Karamo" (2013) gegen das Fremdenrecht.

"Mit jedem meiner Filme frage ich das Leben, wie man es mit all den Ungerechtigkeiten aushalten kann", antwortet sie auf die Frage nach der Wirkung ihrer Filme auf das Publikum. "Ich würde es schön finden, wenn man in meinen Filmen ein bisschen Antwort darauf finden könnte. Ich denke, dass Menschen wie Daniel Spoerri eine Antwort darauf sind."

Daniel Spoerri (Jahrgang 1930) zählt zu den bedeutenden Vertretern der Objektkunst, ist auch Tänzer und Regisseur. Ihm widmet Salomonowitz den Dokumentarfilm "Dieser Film ist ein Geschenk", der im Programm der Viennale läuft. Darin verwebt sie das Leben des Künstlers mit dem ihren und dem ihres Sohnes Oskar. Sie habe den Künstler bereit 2015 bei einem anderen Filmprojekt kennengelernt, aus dem letztlich nichts wurde, erinnert sich die Filmemacherin. Diesen künstlerischen Dokumentarfilm "schenkt" die Regisseurin dem Künstler für eine Assemblage, in der Spoerri ein rotes Porzellanherz verarbeitete – einen Gegenstand aus dem Besitz des verstorbenen Vaters von Salomonowitz. (vf)