Es ist immer wieder erstaunlich, welchen Aufwand Hollywood treibt, wenn es darum geht, alte Erfolgsrezepte zu beleben. Erst kürzlich zog der 73-jährige, fitgespritzte Sylvester Stallone noch mal als Rambo ins Feld, jetzt tut es ihm Arnold Schwarzenegger, 72, in seiner Paraderolle gleich: Als Terminator T-800 war er eigentlich schon in James Camerons "Terminator 2" von 1992 ein Auslaufmodell, und er ist es noch. Der Aufwand dafür ist enorm: Man holte dafür nicht nur Schwarzenegger aus der Pension, sondern auch Linda Hamilton, die als Sarah Connor erstmals seit "T2" wieder dabei ist. Ein Wiedersehen auf der Leinwand nach bald 30 Jahren - Hollywood-Strategen lieben so etwas. Das Ganze hübsch aufgewürzt mit einer Menge atemberaubender Effekte und viel Action, fertig ist die Neuauflage des Erfolgsrezeptes.

Genau so ist man im Fall von "Terminator: Dark Fate", dem inzwischen sechsten Teil dieser Mensch-Maschinen-Dystopie, vorgegangen. Als Produzent fungiert erstmals seit 1992 wieder James Cameron selbst, die Inszenierungen überließ er allerdings "Deadpool"-Regisseur Tim Miller, weil er wahrscheinlich schon vermutet hat, dass man dem Stoff nicht mehr allzu viele neue Facetten abgewinnen kann. Das wäre dann für die eigene Karriere als Überfilmemacher doch ein bisschen schädlich. Also lieber einen braven Handwerker vorschicken, der die von Cameron erdachte Geschichte dann auch entsprechend verlässlich umsetzt.

Cameron-Kult

Auffallend stark distanzieren sich die Macher diesmal von allen Terminator-Filmen, die nach Teil 2 kamen. Mit ihnen wollen Cameron und Co. nichts zu tun haben, und das wäre auch nicht gut für die Mythenbildung in der Franchise. Denn nur wo Cameron draufsteht, ist wirklich Kult drin.

Die Handlung spielt im Jahr 2020, "Dark Fate" ist der direkte Nachfolger von "Terminator 2". Die junge Dani Ramos (Natalia Reyes) hatte bis vor kurzem noch ein völlig normales Dasein, als sie sich unversehens in einem Kampf zwischen Leben und Tod wiederfindet: Es tobt ein wilder Krieg zwischen Menschen und Maschinen, schnell wird klar, dass Dani eine Rolle in der Zukunft spielen wird, die das Schicksal von Menschen und Maschinen beeinflusst. So weit, so bekannt. Die kybernetisch weiterentwickelte Grace (Mackenzie Davis) und die knallharte Sarah Connor (Hamilton) stehen Dani zur Seite, während der Rev-9 (Gabriel Luna) ihr nach dem Leben trachtet - ein Terminator, der, wie schon in "Terminator 2", nicht nur die Gestalt ändern kann, sondern sich auch gern mal metallisch verflüssigt. Und dann ist da noch, ja, die steirische Eiche, die jetzt Carl heißt und endlich wieder "I’ll be back" sagen darf.

Die Tricktechnik ist auf dem neuesten Stand und zeigt dies auch gern her. Subtilität ist ihre Sache nicht, aber eine Franchise wie "Terminator" braucht diese Action-Überdosis und den Effekte-Bombast einfach, daran gibt es nichts auszusetzen. Was hingegen das Wiedersehen mit Hamilton und Schwarzenegger angeht, so hantiert der Film mit tonnenschweren Nostalgien, die nicht nur Wiedersehensfreude, sondern auch Ballast mit sich bringen. Denn niemals kann sich "Dark Fate" wirklich entscheiden, was er sein will: Speziell ab dem Moment, in dem Schwarzenegger die Bühne betritt, wird die eigentliche Geschichte rund um Dani Ramos in den Hintergrund gedrängt und man weiß nicht: Soll hier eine neue Story erzählt werden oder dient der Film mehr dazu, den alten Kampfmaschinen dabei zuzusehen, wie sie ihre Pension verleben? Immerhin bleibt die Hoffnung, dass nach Teil sechs wirklich Schluss ist und der Terminator T-800 endlich am Rentnerbankerl sitzen bleiben darf.