Wer solche Lorbeeren bekommt, darf sich wirklich freuen: Der Wiener Regisseurin Jessica Hausner widmet das Lincoln Center in New York City von 8. bis 10. November eine Retrospektive mit dem Titel "Jessica Hausner: The Miracle Worker". Hausner sei "eine der wenigen zeitgenössischen Filmemacherinnen, die es verdient haben, als Kubricks Erbe benannt zu werden", schrieb David Ehrlich vom US-Branchenblatt "IndieWire". Neben ihren Arbeiten wie "Lourdes" oder "Amour Fou" wird auch ihr neuer Film, der Pflanzen-Thriller "Little Joe", zu sehen sein, der in den heimischen Kinos bereits am 1. November anläuft. Darin geht eine Wissenschafterin (in Cannes preisgekrönt: Emily Beecham) seltsamen Phänomenen auf den Grund, die rund um ihr Forschungsprojekt entstehen: Die von ihr kreierte Pflanze Little Joe soll Menschen durch ihren Duft glücklich machen, infiziert ihre Besitzer aber mit der unabänderlichen Wahnvorstellung, die Pflanze gegen alle Einflüsse zu beschützen, ja, für sie sogar zu morden. Ein packender Thriller, in Hausners bekannt stilisierter Form inszeniert und fabelhaft gespielt.

"Wiener Zeitung": Frau Hausner, worauf basiert Ihre Idee zu "Little Joe"?

Jessica Hausner: Meine ursprüngliche Idee war eine Geschichte über eine Art weiblichen Frankenstein - über eine Wissenschafterin, die ein Monster erfindet, über das sie dann die Kontrolle verliert. Der Film reflektiert über Wissenschaft und Wissenschaftlichkeit. Die Frau schafft gleich zwei Monster: Einerseits die Pflanze Little Joe, andererseits ihr Kind Joe, den sie auch bald nicht mehr kontrollieren kann. Es ist also eine weibliche Sicht auf die Frankenstein-Geschichte. Mir geht es aber auch um einen Blick in die Zukunft. In der Gegenwart wird viel mit Gentechnik experimentiert. Ich sehe das nicht ausschließlich negativ, doch was ich spannend finde, ist die Ambivalenz: Dass etwas, das in die Welt gesetzt wird, gute und schlechte Effekte haben wird.

In Jessica Hausners "Frankenstein"-Version ist das Monster eine Pflanze. - © K. Sartena
In Jessica Hausners "Frankenstein"-Version ist das Monster eine Pflanze. - © K. Sartena

Ihre Hauptdarstellerin Emily Beecham bekam heuer in Cannes den Darstellerpreis. Daran hat man als Regisseurin auch einen großen Anteil.

Sicher, ein Film ist ja eine Gesamtleistung. Die Chemie zwischen mir und Emily Beecham stimmte einfach. Sie hat eine unglaubliche Energie, und da ich eine Regisseurin bin, die sehr choreografiert inszeniert, suche ich immer nach Schauspielern, die eine große Natürlichkeit und Authentizität besitzen.

Bedeutet das, dass die streng komponierten Bilder und die stilisierte Inszenierung für Beecham gar kein Korsett waren?