Emily Beecham gruselt es vor "Little Joe". - © Filmladen
Emily Beecham gruselt es vor "Little Joe". - © Filmladen

Sie ist verlockend rot und betört die Menschen mit ihrem unwiderstehlichen Duft: "Little Joe", so nennen die Wissenschafterin Alice (Emily Beecham) und Chris (Ben Whishaw) ihre genmanipulierte Schöpfung, die noch ein weiteres, profitversprechendes Feature mitbringt: Ihr Duft macht die Menschen, die sie besitzen, glücklich und beinahe angstfrei. Wer diese Superpflanze auf den Markt bringt, wird wohl steinreich.

Bald aber entdecken die Forscher seltsame Veränderungen an jenen Probanden, die zufällig mit den Pollen der Pflanze in Berührung kommen - sie verändern sich auf kaum spürbare Weise und sind fortan für ihre Umwelt nicht mehr die, die sie einmal waren. Was ist passiert? Die zur Fortpflanzung unfähige Pflanze hat sich offenbar einen perfiden Weg ausgedacht, um trotzdem am Leben zu bleiben: Der Duft sorgt im Gehirn der Riechenden dafür, dass sie sich fortan nur mehr um den Fortbestand von Little Joe kümmern und alles andere vernachlässigten, beziehungsweise die Pflanze beschützen, auch, wenn das bedeutet, Gewalt anwenden zu müssen.

Jessica Hausner inszeniert ihren Thriller mit den Mitteln eines Horrorfilms, zugleich pendelt "Little Joe" auch zwischen Genrefilm und Psychodrama; Hausners bis ins kleinste Detail strikt festgelegte Bild-, Ton- und Farbregie wirken wie ein Korsett für den Zuschauer, das die entrische Wirkung dieses Thrillers noch verstärkt. Der Film funktioniert dabei wie eine Parabel über die Frage, was Norm ist und was nicht. Das gentechnische Experiment ist dabei nur der Rahmen für einen viel weiter gesteckten Raum, den Hausner skizziert: Das Fremde, vor dem alle Menschen Angst haben, steckt nicht immer im Gegenüber, sondern oft auch in einem selbst.