Clowns sind nicht nur lustig. Sie sind auch furchtbar gruselig. Zumindest seit der Verfilmung von Stephen Kings "Es" (1990) ist für manch einen das Verhältnis zu den Spaßmachern ein zwiespältiges. Dieses seit den 1980er Jahren verbreitete Horrorclown-Phänomen greifen Filme wie der just zu Halloween anlaufende "Halloween Haunt" mit Gruselerfolg auf.

Dieses Mal ist der Psychoclown nur einer der etlichen Schlächter: Die aufgrund ihres gewalttätigen Freundes bedrückte Harper (Katie Stevens) ist nicht begeistert, als ihre Freunde - Bailey (Lauryn McClain), Mallory (Schuyler Helford), Angela (Shazi Raja), Evan (Andrew Caldwell) und Nathan (Will Brittain) - zu Halloween das Schaudern suchen. Es kann nicht gruselig genug sein. So fahren sie zu einem schreckenversprechenden Gruselhaus vor den Toren der Stadt: das "Haunted House". Ein schweigsamer Clown verkauft ihnen die Eintrittskarten, ihre Handys müssen sie am Eingang abgeben. Dann betreten sie das alte Fabriksgelände. Zuerst erinnern die Schreckeffekte an harmlose Geisterbahn-Tricks, doch bald fließt Blut, und das Haunted Hause wird mit seinen mörderischen Darstellern hinter allerlei Masken und Kostümen zu einer wahrhaftigen Todesfalle. Es spritzt das Blut, hervorgerufen durch alle möglichen Verletzungs- und Todesarten - ausgedacht vom Regie- und Autorenduo Scott Beck und Bryan Woods. Letztlich gelingt den beiden ein durchschnittlicher Slasher-Film nach dem Escape- Room-Prinzip mit manchmal sehr vorhersehbarem Gemetzel und wenig neuen Schreckeffekten. Die Charaktere werden nicht näher gezeichnet, die Figuren bleiben oberflächlich - darum geht es nicht, sondern ums Schlachten für Hartgesottene.

Chuck (Austin Zajur) auf der Flucht vor der Pale Lady. - © Constantin/eOne
Chuck (Austin Zajur) auf der Flucht vor der Pale Lady. - © Constantin/eOne

Das Buch liest den Menschen

Wesentlich feiner gezeichnet sind die drei Schulfreunde Stella (Zoe Margaret Colletti), Auggie (Gabriel Rush) und Chuck (Austin Zajur) in "Scary Stories To Tell In The Dark": Es ist der 31. Oktober 1968 in einer Kleinstadt in Amerika. Auch dort gibt es ein Gruselhaus. Die drei finden im Keller eine Art Gefängnis, in der die Tochter des Hauses, Sarah Bellows aufgrund ihrer übernatürlichen Fähigkeiten von ihrer Familie misshandelt und eingesperrt wurde. Die Jungautorin Stella findet Bellows Geschichtenbuch und begeht einen folgenschweren Fehler: Sie nimmt es mit nach Hause. "Du liest das Buch nicht, es liest dich", erklärt sie später ihren Freunden. Und bald darauf werden ihre Ängste wahr . . .

Basierend auf der amerikanischen Kindergruselbuchreihe von Alvin Schwartz setzt Regisseur André Oevredal auf Monster - wie die aufgedunsene Pale Lady - und Schockmomente, die ganz ohne spritzenden Blut und Gemetzel auskommen. Oscar-Preisträger Guillermo del Toro zeichnet als Drehbuchautor und Produzent mitverantwortlich, seine filmische Handschrift ist immer wieder erkennbar. Atmosphärisch stimmig entführt Oevredal in die 60er Jahre, lässt Rassismus sowie den Vietnam-Krieg nicht unangesprochen als Anspielung darauf, dass auch hier viele Geschichten beziehungsweise Lügen die Menschen beeinflussen. Die Vertiefung der Charaktere der jungen Helden erinnert an "Stranger Things" auf Netflix und trägt wesentlich zum Gefühl des Betrachters bei, einen schauderhaften Film zum Genießen gesehen zu haben.