Bomben fallen, Torpedos explodieren, die Kampfflugzeuge der Amerikaner und Japaner werden im Kugelhagel der Flugzeugträger zersiebt: Roland Emmerich zieht für "Midway" (ab Freitag im Kino) in die Schlussphase des Zweiten Weltkriegs und erzählt von den Schlachten zwischen den USA und Japan im Pazifik - von Pearl Harbour bis zur Auseinandersetzung bei den Midway-Inseln im Juni 1942. Er setzt dabei effektgeladen wie immer auf spektakuläre Bilder, lässt die obligatorischen Romanzen, die andere Blockbuster bieten, aber außen vor.

"Wiener Zeitung": Herr Emmerich, Sie haben große Teile von "Midway" an Originalschauplätzen gedreht. Ein großer Aufwand?

Roland Emmerich: Von den Drehorten her nicht. Es gibt in Pearl Harbour ganze Gegenden, hauptsächlich Fort Island, die unverändert stehen gelassen worden sind. Das sind tolle Kulissen. Nur die Drehgenehmigungen waren nicht zu bekommen. Dann trafen wir uns mit dem zuständigen General, der zunächst recht schnippisch war, weil er sagte, "Ach, das wird wieder einer dieser großen Hollywood-Filme, mit einer Love-Story in der Mitte". Er prahlte damit, einen vergessenen Helden der Schlacht um Midway zu kennen, den todesmutigen Piloten Dick Best, über den niemand mehr spricht. "Wer im Raum kennt Dick Best?" Die anwesenden Militärtypen kannten ihn nicht, nur ich hob die Hand und sagte: "Unser Film ist über Dick Best". Das änderte alles: Wir durften überall drehen, wo wir wollten. Und der General bekam sogar eine Statistenrolle im Film.

Roland Emmerich. - © afp
Roland Emmerich. - © afp

Auf die Love Story haben Sie zum Glück verzichtet.

Für solchen Kitsch wäre sowieso kein Platz gewesen, denn diese Schlachten, die in dieser Zeitspanne von Pearl Harbour bis Midway stattgefunden haben, sind schon sehr gut auserzählt, da muss man gar nichts mehr dazuerfinden. Ich wollte den Film schon vor 20 Jahren machen, und damals hatte ich einen Deal mit Columbia, die gerade von Sony übernommen worden waren. Columbia war begeistert von der Idee, aber der Mutterkonzern Sony entschied sich dagegen. Darüber war ich irre enttäuscht.

Haben die Japaner bei Sony Ihnen "Midway" deshalb verunmöglicht, weil es darin um den Krieg zwischen Japanern und Amerikanern ging, bei dem die Japaner vielleicht nicht allzu gut wegkamen?

Gut möglich. Ich weiß es nicht. Jedenfalls haben wir dieses Mal den Film schon vorverkauft, und zwar auf fast alle Kinomärkte außer nach Japan. Als wir den Japanern dann alle Szenen zeigten, in denen Japaner vorkamen, entstand ein regelrechter Bieterwettstreit um die Rechte. Und wir bekamen doppelt so viel als wir eigentlich wollten. Die Japaner haben gemerkt, dass wir das Thema ernst nehmen und niemanden in die Pfanne hauen.