Manchmal nimmt das Leben Kurven, um am Ende gerade Strecken fahren zu können. Das Leben und Wirken von Dieter Grohmann ist so ein Beispiel. Er musste erst Jus studieren, um ein prämierter Filmemacher werden zu können. Jetzt hat er das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst erhalten – eine schöne Auszeichnung für einen, der es nicht immer leicht hatte.

Filmdreh zu "Das Stundenglas" in Niederösterreich. Auf Detailtreue bei Kostümen und Kulisse legte Grohmann besonderen Wert. - © Dieter Grohmann
Filmdreh zu "Das Stundenglas" in Niederösterreich. Auf Detailtreue bei Kostümen und Kulisse legte Grohmann besonderen Wert. - © Dieter Grohmann

Aber ganz von vorn: Am Anfang stand die Sehnsucht. Schon als Kind war Grohmann immer besonders an den Geschichten interessiert, die Gäste der Eltern zu erzählen wussten. Sobald er lesen konnte, packte ihn die Literatur mitsamt den darin dargestellten Emotionen. Ein erster Höhepunkt war ein Schulaufsatz zum Thema Herbststimmung in der Stadt. Der Schüler Dieter schrieb damals: "Rotgold steigt die glühende Sonne aus dem Morgendunst die Straßenschluchten hindurch in den noch dunklen, sich langsam pastell färbenden Himmel. Im noch nächtlich nassen Rinnsal liegt eine zerbeulte Cola-Dose. Die druckfrischen Zeitungen werden in Bündeln aufs Trottoir geworfen, während gleich nebenan die nicht-verkauften von gestern zurückgenommen werden. Gestern war, heute ist. Es ist Herbst in der erwachenden Stadt."

Heute lacht Grohmann über diese Sätze: "Schwülstig, okay, aber ich war 15 Jahre alt. Das damalige Ergebnis: Themenverfehlung, Nicht genügend. Gefragt gewesen wären rot-braune Blätter, Vögelchen und schlaue Füchslein, Allgemeinplätze, Angepasstes. Nichts von wegen vordergründiger Stimmung in der Stadt und doch subtile Medien- beziehungsweise Kapitalismuskritik. Ein Wiener Gymnasialschicksal in den späten 1970er Jahren.

Die Liebe zur darstellenden Kunst blieb dem jungen Mann trotzdem erhalten. Ein brotloses Genre, befand das Umfeld. Grohmann, der nach der Matura am liebsten das Reinhardt-Seminar besucht hätte, war "damals als Persönlichkeit noch nicht stark genug", um sich durchzusetzen, sagt er heute. "Also habe ich mich für das Jusstudium entschieden. Ein paar Jahre später wurde mir an der Elisabeth-Bühne Salzburg erklärt, dass ich das Vorsprechen zwar grundsätzlich gewonnen hätte, nun aber zu alt sei, um einzusteigen. Kunst verdiene kein Brot, mein gerade abgeschlossenes Jusstudium tue dies."

In Brüssel zum Film gekommen