Es ist eigentlich ziemlich egal, welchen Themas sich Roland Emmerich annimmt, am Ende kommt dabei immer ein (mehr oder weniger gelungenes) Spektakel heraus: Alien-Invasionen, Weltuntergangs-Szenarien, Sintfluten, Eiszeit oder - wie nun im vorliegenden Fall - Weltkriegs-Schlachten bieten Emmerich das visuelle Potenzial, seine Werke mit groß angelegten Special-Effects-Orgien zu signieren. Sein Markenzeichen, das er sich dereinst von Steven Spielberg abgeschaut hat, wie er selbst sagt. Dessen "Unheimliche Begegnung der Dritten Art" hatte Emmerich überhaupt erst die Augen für das damals noch junge Blockbuster-Kino geöffnet. So muss Kino sein, dachte er. Solches Kino machte er dann auch. Und macht es noch.

Aber Emmerich ist bodenständiger geworden. Auch seine Budgets sind nicht mehr so groß: Nach dem Flop von "Independence Day 2" muss er sich mit weniger zufriedengeben, knapp 100 Millionen kostete "Midway", sein neuer Film. Das ist für Emmerich-Maßstäbe schon fast Low Budget.

Immerhin zeigt der deutsche Regisseur mit Wohnsitz Los Angeles, dass er - wie es sich für einen Schwaben gehört - gut haushalten kann. Denn "Midway" sieht man sein "geringes" Budget keineswegs an. Da geht man mit den Fliegern der Amerikaner so richtig in den Sturzflug und steuert auf wahnwitzig um sich ballernde Flugzeugträger zu, dass einem der Atem stockt. Spektakel, das kann er, der Emmerich.

Inhaltlich dreht sich "Midway" um die Pazifik-Schlachten des Zweiten Weltkriegs: Der Film beginnt mit dem Angriff der Japaner auf Pearl Harbour am 7. Dezember 1941 und erzählt dann von Schlacht zu Schlacht bis zum Höhepunkt bei den Midway-Inseln ein halbes Jahr später. Weil sich die Ereignisse damals überschlugen, musste Emmerich dramaturgisch nur wenig hinzuerfinden, was vielleicht auch dafür gesorgt hat, dass "Midway" ganz gut "flutscht".

Im Zentrum steht der tapfere Pilot Dick Best (Ed Skrein), der waghalsige Einsätze fliegt, aber auch der Geheimdienstler Edwin Layton (Patrick Wilson), der den japanischen Angriff auf Midway vorausahnt und eine Falle vorbereitet. In kleineren Rollen sind außerdem Woody Harrelson, Aaron Eckhart und Dennis Quaid zu sehen, aber Starkino wie früher ist das nicht.

Hilfe vom Militär

Die monumentale Inszenierung der Schlachten soll das wettmachen; Emmerich versucht, dabei zu vermeiden, dass der Film zu einseitig über die heroischen Amerikaner berichtet, indem er auch die Japaner zu Wort kommen lässt - auf Japanisch und mit Untertiteln. Ausgewogen ist der Film aber dennoch nicht, zumal das US-Militär bei der Verfilmung sehr hilfreich gewesen sein soll, vor allem in Hinblick auf die Originaldrehorte.

Wie Propaganda wirkt "Midway" dennoch nicht; Emmerich hat mit 63 noch immer nicht die Lust verloren, großes Kino zu machen. Und er bemüht sich, dass niemand merkt, dass er inzwischen eher kleinere Brötchen bäckt. Dazwischen leistet er sich in seinem Achterbahnkino auch rührende Momente (das gehört nun mal dazu) und sogar Ironie: US-Regielegende John Ford, der 1942 eine Doku über "Midway" drehte, lässt im Film die US-Flagge ein zweites Mal hissen, weil er es beim ersten Mal nicht richtig in den Kasten bekam. Hollywood nahm es mit der Wahrhaftigkeit eben noch nie so genau.