Die Herkunft des Kinos aus der Jahrmarktattraktion, vom Vaudeville, von der Schaustellerei zeigt sich wohl nirgends so deutlich wie in den mit Kurzfilmgrotesken bestückten "Beiprogrammen" der frühen Lichtspieltheater. Über weite Strecken Importware aus den USA, gehörten sie auch hierzulande, kaum dass die Bilder laufen gelernt hatten, bald zum unentbehrlichen Bestandteil der Filmkultur und erfreuten sich ständig wachsender Popularität.

"Wie oft hat das kleine, anspruchslose Beiprogramm größere Befriedigung ausgelöst als das ihm nachfolgende große Drama. Wie oft war es der einzige Gewinn einer Kinovorstellung, da es eben nichts anderes wollte, als unterhalten, was ihm restlos gelungen ist", heißt es etwa in einer Wiener Kritik aus dem Jahre 1927. Hier, zwischen Wochenschau und Hauptfilm, war der Ort, an dem die großen Tortenschlachten geschlagen und die Wolkenkratzer aus dem Stand erklettert wurden, hier herrschten fröhliches Chaos und blühender Unsinn, hier wurde der Voyeurismus des Publikums nach Kräften bedient, seine Sensationslust gestillt - und wie nebenbei ein neues, vielgestaltiges Genre kreiert: das "Beiprogrammlustspiel", in der Regel nicht länger als zwanzig Minuten, handlungsarm und ereignisreich, eine simple Aneinanderreihung verwickelter Situationen, eine Suite von Katastrophen mit Finale furioso und gutem Ausgang.

Wandlungskünstler

Diese am Förderband produzierten Kurzfilmgrotesken beherrschte ein Gesetz: das der Serie. Bewährte Muster und Rezepte wurden ad libitum wiederholt und in endloser Variation abgewandelt. So konnte man bei jedem Besuch im Lichtspieltheater alten Vertrauten verlässlich begegnen: den badenden Schönheiten und dem schielenden Komiker, den kleinen Strolchen, Brownie, dem Wunderhund, und all den anderen Serienhelden. Wer zählt die Länder, kennt die Namen, aus denen sie zusammenkamen?

Der vielleicht größte von ihnen allen war eine Figur nicht aus Fleisch und Blut, sondern aus Papier und Tusche: Felix, der Kater. Nach Leonard Maltin, dem Verfasser von "Of Mice and Magic", einem Grundlagenwerk zur Geschichte des amerikanischen Zeichentrickfilms aus 1980, sind es vor allem zwei Merkmale, die Felix auszeichnen und seine Persönlichkeit bestimmen: sein tiefsinniger, nachdenklicher Gang, in den er immer dann verfällt, wenn er neue Ideen ausbrütet, neue Pläne schmiedet - den Kopf gebeugt, die Hände am Rücken zusammengefaltet -, und seine paradoxe Fähigkeit, sich jederzeit zu verwandeln, ohne sich dabei wesentlich zu verändern. Je nach Bedarf dient sein antennenartiger Schweif ihm als Baseballschläger, Angelhaken, Teleskop oder Spazierstock.