Es geht um die ganz grundsätzlichen Fragen des Lebens, in Erwin Wagenhofers neuem Film "But Beautiful" (ab Freitag im Kino): Wie könnte ein gutes, ein gelungenes Leben aussehen? Ist ein "anderes" Leben überhaupt möglich? Alternativen zum Mainstream, gesammelt von einem, der den Frieden mit der Welt gemacht zu haben scheint, nach etlichen Dokumentarfilmen, die die Missstände aufzeigten ("We Feed the World", "Alphabet"). Jetzt forscht Wagenhofer lieber bei Menschen, die eine alternative Form des Lebens für sich gefunden haben - und damit glücklich geworden sind. Frauen ohne Schulbildung, die Solaranlagen für Dörfer auf der ganzen Welt bauen. Permakultur-Visionäre auf La Palma, die Ödland in neues Grün verwandeln. Ein Förster, der die gesündesten Häuser der Welt entwickelt. Ein junges Jazztrio, ein etablierter Pianist, eine beseelte kolumbianische Sängerin, die uns den Klang der Schönheit vermitteln. Sie alle besucht Wagenhofer und komponiert daraus ein beeindruckendes Kompendium des menschlichen Glücks.

"Wiener Zeitung": Sie zeigen in "But Beautiful", dass es Auswege gibt aus den Lebensformen, die unsere Gesellschaft kennt. Wieso kam dieser Film zustande?

Erwin Wagenhofer: Zu Beginn des Projekts dachte ich an die Margaret-Thatcher-Doktrin: "Es gibt keine Alternative". Das ist ein wahnsinnig dummer Satz. Schade, dass ihn viele Menschen dennoch glauben. Denn Alternativen sind ja genau das, was das Leben ausmacht. Es gibt nur einen Umstand, zu dem es keine Alternative gibt, und das ist der Tod. Im Leben gibt es immer die Wahl, es anders zu machen. Zu diesem Thema wollte ich mit meinem Film ein Zeichen setzen. Daher auch der Titel "But Beautiful"; das bedeutet, dass das Leben eben auch schön ist. Davor gibt es dieses "Aber", dem wir manchmal allzu viel Bedeutung beimessen, aber ohne dieses Aber wäre das Leben unrealistisch.

Erwin Wagenhofer suchte Menschen mit Visionen. - © Katharina Sartena
Erwin Wagenhofer suchte Menschen mit Visionen. - © Katharina Sartena

Der Film sagt: Wir sind in der Lage, es anders zu machen, nur wissen wir das oft nicht.

Wir haben es schon selbst in der Hand, wie das Leben gestaltet wird. Ich meine das jedoch nicht im Sinne von "Jeder ist seines Glückes Schmied". Denn manche widrigen Umstände im Leben lassen sich nicht beeinflussen - in welche Familie man geboren wird, in welchem Land man aufwächst und so weiter. Ich selbst wurde in eine Zeit geboren, die man als "Window of Opportunity" bezeichnen kann. Das sind meine Kinder nicht. Ich kam 1961 zur Welt, wuchs bescheiden in Niederösterreich auf, in der Gegend um Amstetten, dort konnten wir frei sein, die Zeit war optimistisch. Ich bin kein alter 68er, aber dieser Geist war da, er war spürbar, auch für die Kinder. Und auch nach der Schule war es damals überhaupt kein Thema, dass jemand von uns keine Arbeit finden würde. Genau damals kam Frau Thatcher mit ihrem blöden Spruch. Und Reagan hat Roosevelts "New Deal" wieder in die andere Richtung zurückgeschoben.