Der Beginn einer Entwicklung, die Kapitalismus als alternativlos ansah?

Sicher. Politiker sind ja nicht die Mächtigen, sondern die Wasserträger der Geldeliten. Diese haben sich am Ende durchgesetzt und das bringt uns heute unter anderem in die Bredouille. Wir müssen heute den Wert von Arbeit neu denken, müssen die Preise, die Produkte haben, hinterfragen, müssen uns Gedanken über die Verteilung von Wohlstand machen.

Es geht also um sehr Grundsätzliches.

Ja, es geht ausschließlich um Grundsätzliches. Das fängt beim Essen an. Wenn in die Wirtschaftsbilanz eines Landes die Wasser- und Luftqualität einbezogen würde, oder auch die Beschaffenheit des Bodens, und das in den Preis einberechnet würde, wer wäre dann der beste Anbieter? Sicher nicht der, von dem wir täglich unsere Lebensmittel kaufen. Probleme wie diese sind keine Naturgesetze, sondern menschengemacht. Das wird aber nicht gesehen. Und den, der das alles vorhergesehen hat, hat niemand gelesen: Adam Smith war eine Koryphäe, und sein Buch hieß nicht umsonst "Wealth of Nations", und nicht "Wealth of Companys".

Man sieht im Film ein Paar, das einen kargen Landstrich mühevoll wieder zum Erblühen bringt. Darin findet es die Erfüllung.

Es gäbe Schaugärten ohne Ende, bei denen man die außergewöhnlichsten Pflanzen zu sehen bekommt. Aber mich hat das nicht interessiert. Mir war dieses Ehepaar viel lieber. Erich und Barbara Graf sind aus ihren Jobs in Berlin ausgestiegen und bringen wieder Leben in ein Stück Ödland. Zu beobachten, wie das Leben in diesen Landstrich zurückkehrt, motiviert sie ungemein, daraus speist sich ihre Lebensenergie. Mir war wichtig, zu zeigen, dass das ein Beispiel ist, das jeder von uns machen kann. Und dass es eine Haltung ist. Die beiden haben sich selbst ihre Arbeitsplätze geschaffen. Sie leben heute vom Verkauf von Setzlingen und machen Führungen.

Was Ihre Protagonisten eint, ist, dass sie allesamt ihre Vision leben und es ihnen nicht einmal schwerfällt. Denn egal ob beim Humus-Boden oder bei dem Musiker, den Sie zeigen: All diese Leute schöpfen aus sich selbst.

Im Film kommt der Pianist und Komponist Kenny Werner zu Wort, der sagt, er spielt nicht, er empfängt nur. So sollte man eigentlich sein Leben leben. Das kann man von Künstlern lernen. Den Kunstbegriff müsste man ordentlich ausdehnen, es gibt viele Künste, nicht nur die "fine arts". Das englische Wort "arts" trifft es besser: Es beschreibt alles, was artifiziell ist, also vom Menschen hergestellt wird. Dem gegenüber steht der Begriff Natur. Und all dem zugrunde liegt die Vorstellung, dass alle Menschen gleichwertig sind: Jene, die mit dem Boden arbeiten genauso wie jene, die mit einer Trompete arbeiten. Alles ist unter diesem Aspekt Kunst und hat auch gar nichts Elitäres.