Einen Film über donnernde Motoren und satten Spritverbrauch zu drehen, just in Zeiten, in denen alle von Energiewende und E-Antrieben sprechen, dazu gehört schon eine Portion Mut. Disney ist mutig. Für den Familienfilmkonzern, der schon lange nicht mehr nur die Micky Mäuse im Programm hat, sondern auch "Star Wars", Marvel & Co., erweitert sich nun die Dimension um quietschende Reifen, harten Asphalt und Benzingeruch. Filme, die wie "Le Mans 66 - Gegen jede Chance" eigentlich überhaupt nicht ins Disney-Portfolio passen, spült die kürzliche Fusion mit Fox, wo man solche Filme (Stichwort: "Fast & Furious") gerne produziert, nun derartige Rennfahrer-Dramen ins Programm.

Der vorliegende Film basiert auf A. J. Baimes Buch "Go Like Hell: Ford, Ferrari and Their Battle for Speed and Glory at Le Mans", und dieser Titel umreißt schon ziemlich gut, worum es hier geht. Henry Ford II. (Tracy Letts) soll Anfang der 1960er Jahre mithilfe des jungen Visionärs Lee Iacocca (Jon Bernthal) und des ehemaligen Rennchampions und Ingenieurs Carroll Shelby (Matt Damon) das Konzept der elterlichen Firma überarbeiten: Man will endlich ein Rennauto bauen, das Ferrari in Le Mans schlagen kann - der Ford GT40 war geboren, das erste amerikanische Auto, das sich im europäisch dominierten Fuhrpark auf der Rennstrecke durchsetzen soll.

Christian Bale (Ken Miles) fährt als Brite für die Amerikaner. - © Twentieth Century Fox
Christian Bale (Ken Miles) fährt als Brite für die Amerikaner. - © Twentieth Century Fox

Am Steuer sitzt dabei dennoch ein Europäer: Der britische Rennfahrer Ken Miles (Christian Bale) soll’s richten, aber wie das so ist im Motorsport, sind die meisten, die darin arbeiten, entsprechend PS-starke Hitzköpfe. Und so ist die Arbeit an dem revolutionären Sportwagen nicht nur ein technisch und sportlich schwieriges Unterfangen, sondern muss zuallererst auch die Egos aller Teilnehmenden überwinden; am Ende eint natürlich alle dasselbe Ziel: Ken Miles soll endlich Erster werden in Le Mans 1966.

Atemberaubende Boliden

Mit James Mangold ("Walk the Line") hat man einen Regie-Routinier ans Steuer dieser PS-Ralley gesetzt, der einen soliden Job abliefert. Mangold bringt das Script auf eine sehr dynamische Art auf die Leinwand, wobei hier die aufbrausenden Charaktere fast wichtiger sind als die Boliden auf der Strecke; beides verursacht eine Überdosis Adrenalin, denn die Rennsequenzen sind atemberaubend gefilmt, und die Männer, die diese Autos lenken, sind Testosteron-Ungetüme der Extraklasse: Bale und Damon laufen in ihren Rollen als Geschwindigkeitsfanatiker zu wahrer, aber natürlich auch klischeeüberladener Hochform auf. Die 60er waren halt eine wilde Zeit.

Womit wir bei der Nostalgie wären: Nicht nur Autofreaks bekommen einiges an Schauwerten, auch große Themen wie Männerfreundschaft werden durchdekliniert. Ein nicht ganz unstolzer Film ist "Le Mans 66" obendrein - wird hier doch vom Sieg des US-Autobauers Ford gegen Ferrari erzählt. Stolz hat noch keinem US-Blockbuster geschadet, vor allem nicht beim Einspielergebnis daheim. Für gutes Geld steigt auch Disney gern aufs Gas.