Als Stephen-King-Fan durchlebt man gerade ein goldenes Zeitalter. Dank eines erfolgreichen Comebacks auf der Leinwand vor zwei Jahren, angeführt von dem Horror-Box-Office-Rekorde brechenden "It", wurde dem Werk des Altmeisters neues cineastisches Leben eingehaucht. Nicht, dass Stephen King je weg gewesen wäre. Seit Brian de Palmas "Carrie" 1976 die Zuschauer mit Schweineblut traumatisierte, ist kaum ein Jahr vergangen, in dem nicht eine neue King-Verfilmung auf der Leinwand zu sehen oder ein neuer Roman in den Bücherregalen zu finden war. Doch selten war das Angebot an King-Adaptionen so dicht und vielseitig wie heute.

Am Freitag startet nun die "The Shining"-Fortsetzung "Doctor Sleep" mit Ewan McGregor in den Kinos. Interessanterweise bricht hier die Erfolgssträhne, denn ungleich seinen Vorgängern der letzten zwei Jahre entpuppte sich der Film in den USA bereits als Kassenflop, der anstatt der erwarteten 25 Millionen Dollar am Auftaktwochenende nur 14,1 Millionen einspielte. Dabei hatte der Film von Mike Flanagan positive Kritiken erhalten und wurde mit seinen inhaltlichen und stilistischen Adaptionen als versöhnende Geste zwischen King und der von ihm selbst wenig geliebten Stanley-Kubrick-Version von "The Shining" (1980) bewertet.

Neue King-Adaption

Ob dieses schlechte Abschneiden die "Kingnaissance" unterbrechen wird, wird sich noch zeigen. Hollywoods Interesse an Stephen King war zwar immer konstant, aber dennoch von Höhen und Tiefen durchzogen: Vor dem Bombenerfolg von "It" schien "The Green Mile" von Frank Darabont aus dem Jahr 1999 die letzte große Stephen-King-Adaption gewesen zu sein. Danach folgten wenig nennenswerte Produktionen. Filme wie "Hearts of Atlantis" (2001) und "Dreamcatcher" (2003) floppten, "Secret Window" (2004) lief nur mit gemischtem Erfolg. Weitere Verfilmungen entstanden großteils mit B-Movie-Mitteln.

Doch dann kam der Umschwung. Rechtzeitig zum 70. Geburtstags des Autors kreierte Regisseur Andrés Muschietti 2017 dank des Horrorclowns Pennywise einen der Überraschungshits des Jahres und den Auftakt zu einem bis heute anhaltenden Stephen-King-Hype. Doch nicht nur "It" stand in dem Jahr auf dem Programm. Vom eher dürftig gewordenen "The Dark Tower" bis hin zu den TV-Serien "Gerald’s Game" und "Mr. Mercedes", die Fans litten nicht an einem Mangel an Auswahl.