Zuerst hat sie es nicht geschafft, ihre magischen Kräfte zu bändigen, und hat ihre Heimat sprichwörtlich auf Eis gelegt. Neuerdings hört sie (und nur sie!) melodische Klänge, die sie wie eine Stimme dazu auffordern, in einen lange verwunschenen Wald zu ziehen, in dem die Erinnerungen an ihre Genese gespeichert sind. Wasser, das lernen wir, hat nämlich ein Gedächtnis und merkt sich alles, wodurch es schon mal geflossen ist.

Was in der normalen Welt schwer nach einem Fall für die Psychiatrie klingt, wird bei Disney zu einem Milliarden-Geschäft. Sechs Jahre nach dem Überraschungserfolg "Die Eiskönigin" kommt nun die Fortsetzung in die Kinos, die die Geschichte der grazilen, unnahbaren Königin Elsa von Arendelle und ihrer bodenständigen, kumpelhaften Schwester Anna weitererzählt - oder besser: ein wenig variiert, denn allzu viel Neues hat man sich bei Disney in Bezug auf den Plot nicht einfallen lassen: Der erste Teil hatte da noch diesen stringenten Spannungsbogen, den man nun mühevoll zu kopieren versucht; das gelingt nicht. Der Trip in den besagten verwunschenen Wald gerät dafür überaus düster, das muss streckenweise fast schon beängstigend sein, vor allem für die jüngsten Zuschauer. Am Ende steht wieder eine übergroße Bedrohung für Arendelle, dazwischen müht sich Elsa, ihre Herkunft und den wahren Verbleib ihrer Eltern zu entdecken. Anna als quicklebendiger Konterpart wird aufgewertet, auch, was die Regentschaft betrifft. Elsa wird einmal mehr als die einzelgängerische Zweiflerin skizziert, Spaßmacher sind Sven und Kristoff (der eine Ballade singen darf) sowie der drollige Schneemann Olaf. Der ist diesmal allerdings deutlich weniger niedlich, dafür ziemlich rechthaberisch und philosophisch unterwegs; wahrscheinlich wollte man bei Disney all jenen Rechnung tragen, die den ersten Teil gesehen haben und inzwischen sechs Jahre älter (und ebenso neunmalklug) sind.

Die Musik tut erneut das Ihrige am bombastisch und perfekt animierten Abenteuer, wenngleich ein großer Hit wie "Let It Go" diesmal fehlt. Aber die kleine Melodie, die Elsa in die Ferne lockt, wächst sich schließlich zur vielstimmigen Ballade aus, die das Zentrum des Films bespielt.

"Die Eiskönigin 2" ist ein würdiger Nachfolger des ersten Teils, wird dessen ikonografische Stellung im Disney-Universum aber nicht einholen - dazu wurde zu wenig in die Geschichte investiert. Aber als Protagonistinnen von Disneys großem Weihnachtsfilm machen Elsa und Anna wieder eine hervorragende Figur.