Was wäre, wenn Gott eine Frau wäre? Eine Frage, die sich in "Gott existiert, ihr Name ist Petrunya" nicht wenige stellen; es geht um eine junge Frau, die in eine Männerdomäne eindringt und dafür durch die Hölle gehen muss.

Petrunya ist Anfang 30, sie hat keinen Job, und ihr Abschluss in Geschichte ist in ihrer nordmazedonischen Heimatstadt nicht unbedingt der beste Garant für eine Stelle. Bei einem Vorstellungsgespräch sagt ihr der Mann von der Personalabteilung noch: "Ich dachte, du wärst jünger. Und außerdem bist du verdammt hässlich".

Auf dem Rückweg von diesem niederschmetternden Termin gerät Petrunya zufällig in die Prozession zum christlich-orthodoxen Dreikönigstag. Wie jedes Jahr wird dabei ein geweihtes Kreuz in den örtlichen Fluss geworfen, und derjenige, der es herausfischt, soll angeblich das ganze kommende Jahr über Glück haben, heißt es. Dutzende Männer springen in den Fluss, Petrunya tut es ihnen gleich - und entsteigt dem Gewässer mit dem Kreuz.

Dumm nur, dass dieses religiöse Ritual nur den Männern vorbehalten ist, die sich tumultartig beim zuständigen Priester darüber beschweren, dass das Kreuz nun in Petrunyas Händen ist. Eine aufgebrachte Menge redet auf sie ein, die Situation scheint zu entgleiten. Doch Petrunya kann fliehen.

Das Glück, das das Kreuz verheißt, will sich allerdings nicht einstellen. Kurze Zeit später wird Petrunya sogar von der Polizei verhaftet, auch das Fernsehen berichtet über sie. Die Kirche schaltet sich ein, denn "sie will ihr Kreuz zurück". Petrunya wird von allen Seiten unter Druck gesetzt, bleibt aber standhaft und will das Kreuz nicht mehr hergeben. Vor der Polizeistation formiert sich indes ein wütender Mob. "Sie hat unser Kreuz gestohlen", sagt einer der Rädelsführer. "Sie ist der Teufel in Person."

Eine Hexenjagd

Der Film basiert auf einem realen Fall aus dem Jahr 2014, bei dem eine Frau eine regelrechte Hexenjagd auslöst, weil sie in eine Männerdomäne eingedrungen war. "Gott existiert, ihr Name ist Petrunya" ist wie ein Weckruf zum Widerstand gegen ein Patriarchat, dessen Legitimationsversuche immer kläglicher und absurder werden; Rituale wie jenes aus dem Film werden in Mazedonien in jedem kleinen Dorf praktiziert, das hat die Regisseurin Teona Strugar Mitevska auf die Idee gebracht, die Geschichte zu verfilmen. Sie versteht den Film, der bei der vergangenen Berlinale für Aufsehen sorgte, als klare Aufforderung zur Beendigung der Benachteiligung von Frauen. Mit energischer Hand inszeniert Teona Strugar Mitevska daher die bizarre Hexenjagd, in deren Mitte die Schauspielerin Zorica Nusheva in der Rolle von Petrunya die stoischste Rebellion der Filmgeschichte entfacht. Dieser Kontrast macht den Film nicht nur zum Dokument einer todernsten, bedrohlichen Männergesellschaft, sondern eröffnet auch das, was es braucht, um Raum für Rebellion zu schaffen: Ironie und Witz, und ein neues Selbstverständnis wider die alten Vorstellungen des Patriarchats.