Wie funktionieren die tricktechnischen Errungenschaften der Filmgeschichte? Ein Blick hinter die Kulissen bringt erhellende Einsichten: Einerseits, weil die unglaublichen Fortschritte der Technik über die Jahrzehnte brillante Täuschungen auf die Leinwand bringen, andererseits, weil so mancher Trick so simpel wie effektiv ist. Auch beim Film kocht man nur mit Wasser.

Eigentlich will man sich die Illusion ja bewahren: Das Kino als Illusionsmaschine, das uns verzaubert und mit seinen Tricks betört und so schön belügt. Der Blick dahinter ist aber dann doch zu verlockend. Dem kann man derzeit bei der Schau "Special Effects. Die interaktive Ausstellung für Filmfans" im Technischen Museum Wien (TMW) nachkommen: Dort sind auf mehr als 700 Quadratmetern Ausstellungsfläche so ziemlich alle atemberaubenden Tricks selbst ausprobierbar - und das macht den Besuchern, vor allem den Kindern, einen Heidenspaß.

Der Traum vom Fliegen

Zum Beispiel der Green Screen, vor dem man sich positioniert, um am Bildschirm in einer völlig anderen Szenerie zu erscheinen - so dreht Hollywood die meisten seiner Sci-Fi- oder Superheldenfilme. Im TMW kann man auf diese Weise seinen Traum vom Fliegen wahr werden lassen oder über eine wackelige Brücke in den Abgrund blicken.

Oder man verwandelt sich in einen Stummfilm-Magier, der Gegenstände verschwinden lassen kann. Der guten, alten Rückprojektion wird ebenfalls eine Station gewidmet, dann kann man etwa auf einem stehenden Mofa durch rückwärts projizierte Städte cruisen. Besonders beliebt und inzwischen sehr ausgereift ist die Motion-Capture-Technik: Dabei werden via Sensoren auf Körper und Gesicht die eigenen Bewegungen, die Mimik und die Gestik digital aufgezeichnet. Hernach können mit diesen Daten am Computer generierte Figuren - im Fall des TMW ein furchterregender Ork - zum Leben erweckt werden. Wann immer im Kino Fantasiewesen auftauchen (berühmtestes Beispiel: Andy Serkis als Gollum in "Der Herr der Ringe"), steckt diese Technik dahinter.

Die Ausstellung der "Cité des sciences et de l’industrie" in Paris ist erstmals außerhalb Frankreichs zu sehen und hat nicht bloß den Anspruch, sich einen Jux aus den Filmtricks zu machen; sie will auch Medienkompetenz vermitteln und darauf hinweisen, wie Filme funktionieren, wie man sie richtig liest und welche Methoden zur Zuschauerlenkung es technisch und dramaturgisch gibt. Das TMW bietet dazu im eigens für die Ausstellung gebauten "Filmstudio" etliche Workshops an, bei denen etwa Trailer erstellt werden können. "Die Gruppen können selbst kreativ werden, ob vor oder hinter der Kamera. Die Tricks werden in kurzen Szenen im Workshop selbst ausprobiert und gedreht, die Wirkung des Zusammenschnitts im Anschluss gemeinsam reflektiert", so TMW-Leiterin Gabriele Zuna-Kratky.

Von Méliès bis Cameron

Im Rahmen der Workshops, die für Erwachsene und Kinder angeboten werden, wird auch Rückschau auf die gesamte Filmgeschichte gehalten, und man erfährt, wie Pioniere der Tricktechnik wie Georges Méliès arbeiteten. Dem großen James Cameron ("Titanic", "Avatar") kann man allerdings auch über die Schulter blicken. Anschaulich gestaltete Tafeln erläutern nicht nur, wie eine Filmproduktion geplant wird - von der Idee bis zur Produktion -, sondern auch die wichtigsten Fachbegriffe, von der Prävisualisierung der Effekte direkt am Set, über das Compositing in der Post Produktion bis hin zur digitalen Projektion im Kinosaal. Aber es geht auch analoger: Selbst mit Maske und Make-up lassen sich verblüffende Effekte erzielen.

Das Technische Museum verweist darauf, dass die Schau einen hohen Anspruch im Bildungsbereich hat. Zuna-Krakty: "Gerade im Zeitalter von Fake-News ist es wichtig, dass man in der Lage ist, Illusionen zu durchschauen." Besonders jüngere Besuchern soll so vermittelt werden, dass man nicht jedem Bild trauen kann, das einem vors Auge kommt.