Was heuer bei so ziemlich jedem Mädchen zwischen vier und zehn Jahren auf der Wunschliste im Brief ans Christkind ganz oben stehen wird, ist leidgeplagten Eltern spätestens nach diesem Wochenende klar, wenn sie alle mit ihren Kindern die Kinosäle des Landes mit Popcorn zugemüllt haben, noch ganz gebannt vom Anblick der "Eiskönigin 2", die soeben über uns hereinbricht. Was also steht auf dieser Wunschliste nun ganz oben? Vermutlich ist es das Pferd aus Wasser, das Königin Elsa mit ihren magischen Kräften zu Eis gefriert, um auf ihm durch die Fluten des dunklen Ozeans zu reiten, drauf und dran, ihr Königreich Arendelle zu retten. Das Pferd heißt Nokk, und das Set mit einer Königin-Elsa-Puppe steht bereits in den Regalen, zum Preis von knapp 30 Euro. Süßer die Kassen nie klingeln.

Das Kino gibt den Ton an

Der Hype rund um "Die Eiskönigin 2" ist atemberaubend: Seit Wochen können Eltern für ihre quengelnden Kinder Kinotickets vorreservieren, etliche Säle sind ausgebucht; man will Disneys neuen Trickfilm natürlich als Erster sehen, oder zumindest am ersten Wochenende, sonst können die Kids ja nicht mitreden in der Schule oder im Kindergarten. Dass der Film auf Platz eins landen wird, ist fix, und der Ansturm auf die Trickfilmware ist in Wahrheit auch ein Plädoyer für das Kino als Ort der Magie - Disney, soeben in den USA selbst mit dem hauseigenen Streaming-Dienst Disney Plus gestartet, um Netflix und Amazon den Marsch zu blasen, zeigt, wie wichtig das Kino als primäre Abspielstätte für die eigenen Filme bleibt. Filme als Events, als Startrampe für einen wahrlich unerschöpflichen Pool an Gelddruckmöglichkeiten: Nach dem Kinobesuch mit Nachos aus der Eisköniginnen-Box steht besagter Wunschzettel an das Christkind, im Frühjahr dann die Veröffentlichung der DVD, zusammen mit der Streamingauswertung. Warum sollte man sich die ganze Arbeit aus sechs Jahren Animations-Bergwerk nicht doppelt und dreifach vergüten lassen? Bei Disney ist diese Form des Geldscheffelns schon lange Routine.

Natürlich lässt sich der ganze Erfolg der "Eiskönigin" auch hervorragend psychologisieren, denn genau unter psychologischen Aspekten wurden die Figuren erdacht. Dass königlich gekleidete Prinzessinnen in opulentem Dekor zu Musical-Nummern singen und tanzen, ist längst nicht mehr genug, um einen Kassenschlager zu generieren.

Mit Psychologie zum Erfolg

Heute brauchen selbst (oder gerade) die Figuren aus Kinderfilmen die psychologische Tiefe des Marianengrabens; es geht darum, Identifikationspotenzial zu schaffen, denn die p.t. Kinder sollen ja lebenslange Kunden bleiben und mit ihren Kindern ebenfalls wiederkommen, in 20 Jahren. An Disney, so scheint es, kommt ohnehin niemand vorbei, so breit aufgestellt hat man sich inzwischen - von den Klassikern des Trickfilms über die Neuauflage von "Star Wars" bis hin zum Zukauf des Studios "20th Century Fox".