Die Visitenkarte von Aretha Franklin war ihre Präsenz, wenn sie auf der Bühne stand: Eine eigentlich unscheinbare Erscheinung, die ein sanftes Lächeln auf den Lippen hatte, wenn sie den Raum betrat. Mit einer eher verhaltenen Art erhebt sie die Stimme, doch diese Stimme steigert sich schnell in ein kraftvolles Klangwerk, das seinesgleichen sucht.

Aretha Franklin: Musikerin mit Leidenschaft. - © Polyfilm
Aretha Franklin: Musikerin mit Leidenschaft. - © Polyfilm

Dies einzufangen, versuchte der inzwischen verstorbene Sydney Pollack schon 1972: Damals war Aretha Franklin auf dem Höhepunkt ihrer Karriere: Sie hatte bereits 20 Studioalben eingesungen, auf denen sich nicht weniger als elf Nummer-1-Hits befanden. An diesem Punkt entscheidet sich Franklin, mit ihrem nächsten Projekt zu ihren musikalischen Wurzeln zurückzukehren: Zusammen mit einem großen Chor will sie ein Live-Gospel-Album einspielen. Das Ergebnis heißt "Amazing Grace" und gilt als das bis heute meistverkaufte Gospel-Album aller Zeiten.

Begleitet wurde Aretha Franklin damals von einem Filmteam rund um Pollack. Der drehte viel Material, das lange Zeit als verschollen galt. Das hatte auch damit zu tun, dass es einerseits technische Probleme gab, andererseits auch juristische. Deshalb blieb das Material unter Verschluss, bis Alan Elliott daraus nun eine großartige Dokumentation des gesanglichen Könnens von Franklin gestaltete.

Das Material von Pollack sprüht nur so vor Energie: Franklin erweist sich als wahres Musikwunder, das in der Lage ist, ihr Publikum zu Tränen zu rühren; mit Nostalgie hat das alles nichts zu tun - es ist vielmehr die positive Kraft, die Franklin mit diesem musikalischen Gottesdienst verbreitet, für die man sich vor dieser Musikerin verneigt.