Es gibt ein paar Professionen, die sind riskanter als andere. Als Trickbetrüger zum Beispiel ist man zuallererst darum bemüht, sich nicht erwischen zu lassen - das ist sozusagen das Um und Auf des Jobs. Roy Courtnay (Ian McKellen) hat schon eine "glorreiche" Vergangenheit in diesem Metier, "mit denen man mehrere Leben füllen könnte", sagt Courtnay nicht ohne Stolz. Aber er ist bereits betagt, und die glorreichen Zeiten scheinen vorüber. Dennoch kann es Courtnay nicht lassen, er sucht sich heute vermeintlich leichte Opfer: Seine neue Online-Bekanntschaft heißt Betty Mc Leish (Helen Mirren), ist gutgläubig und überaus wohlhabend. Da tut sich für Courtnay ein neues Paradies auf - er plant, die ältere Dame aufs Kreuz zu legen und noch einmal seine Trickbetrüger-Qualitäten spielen zu lassen.

Allein: Im Verlauf des Kennenlernens stellt Roy überrascht fest, dass er Betty durchaus näher kommt, als ihm von professioneller Seite her lieb ist. Bald muss er sich die Frage stellen, ob Betty sein neuester Coup oder doch die Frau fürs Leben ist.

Ganz klar ist Regisseur Bill Condon bei dieser Geschichte selbst an diesem Punkt nicht: Denn das Publikum lenkt er zwar gekonnt durch allerlei Wendungen, aber ob hier wirklich alles so ist, wie es vordergründig scheint, vermag man nicht immer mit Sicherheit zu sagen.

Erfrischendes Spiel

Es ist die erste Zusammenarbeit zwischen Helen Mirren und Ian McKellen, zwei großartigen Koryphäen des Kinos, außer einer gemeinsamen Broadway-Produktion hatten sich ihre Wege nie gekreuzt. Umso erfrischender ist ihr Zusammenspiel in diesem Thriller, der zunächst als leichtfüßiges Drama beginnt und sich schließlich zu einem düsteren Thriller verdichtet. In der ersten Hälfte führt Condon seine Zuschauer mit viel Charme auf eine falsche Fährte, wenn McKellen sich fast schon als charmanter Gauner der alten Schule präsentiert, der mit Understatement und Humor arbeitet.

Doch dann kommen etliche Wendungen, die die bis zu diesem Zeitpunkt als naiv skizzierte Betty in einem ganz anderen Licht dastehen lassen - viele kleine Hinweise darauf webt Condon schon von Beginn an in "The Good Liar" ein, dessen Geschichte auf dem gleichnamigen Roman von Nicholas Searles beruht. Nun wäre es aber falsch, zu glauben, der Film laufe auf ein Rentner-Pärchen hinaus, das mit Trickbetrügereien seinen Lebensabend bestreitet; vielmehr lenkt das Script alles in Richtung eines dunklen und sehr gewalttätigen Verlaufs. Bill Condons Regie ist zwar gewohnt elegant und routiniert, die Wendungen der Story wirken aber mit zunehmendem Verlauf stark konstruiert und zurechtgebogen, um den Spannungsbogen nicht zu verlieren. Man sieht Drehbuchautor Jeffrey Hatcher förmlich dabei zu, wie er schwitzend in seiner Schreibstube sitzt und die große Not hat, dass die Handlung ihm nicht entgleitet.

So sind Helen Mirren und Ian McKellen also die beiden großen Trümpfe dieser Geschichte, die wunderbar aufeinander abgestimmt agieren und sich gegenseitig anzuspornen scheinen. Ein Drama mit diesen beiden Schauspielern hätte so viele unglaubwürdige Wendungen gar nicht gebraucht.