Naïma (Mina Farid) ist gerade 16 geworden. Vor ihr liegt ein Sommer der Entscheidungen: Ihr eher einfaches Dasein im ansonsten für Noblesse bekannten Cannes gerät durcheinander, als ihre 22-jährige Cousine Sofia (Zahia Dehar) aus Paris auftaucht. Die hat nicht nur optisch viel zu bieten, sondern auch ihr Lebensstil ist so ganz anders als jener von Naïma. Beide jungen Frauen nähern sich einander an, bald wird daraus eine Freundschaft, die bei Naïma für große Veränderung sorgt: Sie will, inmitten des wunderbaren Sommers an der Cotê-d’Azur, ihr Leben nun selbstbestimmter in die Hand nehmen als bisher. Ihr Ziel: Ein steiler Aufstieg zu einem besseren Lebensstil, koste es, was es wolle. Dass sie dabei auch sexuell intensive Erfahrungen machen wird, liegt auf der Hand.

Wenn junge Frauen ihren Körper und ihre Sexualität entdecken, dann gibt es dazu gerade im französischen Kino eine jahrzehntelange Tradition, bei der ältere Männer am Regiestuhl ihnen dabei zusahen. Diese Tradition hat sich ein wenig gewandelt: Heute erforschen vor allem Regisseurinnen die Lebenswelten junger Frauen: Céline Sciamma war heuer mit "Porträt einer jungen Frau in Flammen" im Wettbewerb von Cannes gestanden und erzählte darin eine lesbische Liebe in historischem Gewand. Rebecca Zlotowskis "Ein leichtes Mädchen" (heuer ebenfalls in Cannes gezeigt) wählt einen anderen Ansatz: Ihr Coming-of-Age-Drama spielt gekonnt mit den Reizen der Protagonistinnen und der südfranzösischen Landschaft: Dass sich die beiden Heldinnen ältere, reiche Männer angeln, bleibt von Zlotowski moralisch unverurteilt.(greu)