Liebes Mummilie, wenn du nicht bald herkommst, werde ich narrisch, Der MGM Mann kommt in 4 Tagen, dann sehen wir weiter." Es sind Dokumente wie dieser Brief von Hedy Lamarr an ihre Mutter Gertrude, die es schaffen, mühelos einen Einblick in Wendepunkte eines Lebens zu vermitteln. Lamarr schrieb ihn 1940, es waren ihre Anfangsjahre in Hollywood. 1938 drehte sie ihren ersten Film, "Algiers", ihre Schönheit wurde weithin anerkannt, eine strahlende Karriere lag vor ihr. Ein Jahr davor war sie aus Wien geflohen - vor ihrem besitzergreifenden Ehemann, dem Munitionsfabrikanten Fritz Mandl. Und vor dem drohenden Krieg und der damit einhergehenden Judenverfolgung. Auch ihre Mutter wollte sie dringend aus der Gefahr holen - das gelang ihr schließlich auch.

Ein angenehmer Anblick

Der Brief verbindet die zwei Leben der Hedwig Kiesler, die zu Hedy Lamarr wurde. Als Hedwig Kiesler wurde sie 1914 in Wien geboren, aufgewachsen ist sie, behütet und von ihrem Bankdirektoren-Vater vergöttert, in Döbling. Doch Hedwig fühlt sich schnell vom Zelluloid angezogen. Ihre erste Rolle erhält sie in einem Sascha-Film namens "Geld auf der Straße", da ist sie ganze 16 Jahre alt. Sie sagt darin kess-angeschickert: "Es gibt ja gar keinen Schampus mehr!", wie ein Ausschnitt in der Ausstellung "Lady Bluetooth" im Jüdischen Museum am Judenplatz zeigt.

Hedy Lamarr bei ihrer Ankunft in den USA 1937. - © Anthony Loder
Hedy Lamarr bei ihrer Ankunft in den USA 1937. - © Anthony Loder

Bevor sie 1933 als erste komplett nackte Frau in die Filmgeschichte eingehen sollte - mit "Ekstase" -, wurden ihre Reize schon gewinnbringend eingesetzt. Ein Ausschnitt aus "Man braucht kein Geld" zeigt sie im hautengen Gymnastik-Hotpants-Anzug, wie sie Heinz Rühmann rügt: "Ein mangelhaft angezogener Mensch ist nicht gerade ein angenehmer Anblick!", worauf der erwidert, dass er das so eigentlich nicht sagen kann.

Mit dem Skandal "Ekstase" wurde sie schlagartig berühmt - ihrem Ruf tat der Film keinen Gefallen. Noch Jahre später musste sie feststellen, dass Frauen, die sich, und sei es für die Kunst, öffentlich entkleiden und noch dazu einen Orgasmus simulieren, nicht überall geschätzt werden. Bei ihrer Lebens-Rolle als luxuriöse Unternehmergattin störte der einstige Tabubruch interessanterweise nicht - sie war gern gesehene Protagonistin in Klatschblättern, die damals die Roben der Salzburger-Festspiel-Gäste noch als Skizzen nachzeichneten - und beschrieben, dass Frau Kiesler-Mandl im "Transparent-Stilkleid in Rot und Lila" erschienen war.

Schön ist die Legende, dass Hedy Lamarr ihren Marktwert auf dem Schiff in die USA in die Höhe trieb, indem sie dem mitreisenden Filmmogul Louis B. Mayer demonstrierte, welche Wirkung sie auf Männer hatte. Wenn es nicht stimmt, so ist es gut erfunden. Und das ist das Stichwort: Dass Hedy Lamarr heute fast berühmter dafür ist, die technische Grundlage für Mobilfunk und WLAN erfunden zu haben, findet in der Schau nur in einem kleinen Teil Widerhall. Das liegt daran, dass Kuratorin Andrea Winklbauer alle "Rollen", die Lamarr in ihrem Leben spielte, gleichwertig beleuchten wollte. Trotzdem wäre es spannend gewesen, auch ihre angedeuteten Erfindungen für den Alltag näher zu beschreiben.

Trauriges Ende

Die Ausstellung schafft aber mit einigen Details schöne Verbindungen. So hängen vergleichsweise "bäuerliche" Schauspielerfotos aus der alten Heimat gegenüber den perfekt ausgeleuchteten Glamourfotos aus Hollywood. Im Zentrum eines Raums wurde ein Papier-Anziehpuppenset lebensgroß aufgeblasen, man kann sich im Abendkleid neben der Diva fotografieren. Apropos Fotos: Auf manchen Fotos wirkt Hedy Lamarr verblüffend modern und heutig.

Das mag jedoch ihr größtes Problem gewesen sein: Dass sie ihrer Zeit voraus war. Das lässt sich auch aus ihren Antworten in einem Interview-Ausschnitt aus den 60ern ableiten, in dem sie etwa das Tempo von modernen Filmen lobte. Es zeigte sich aber auch an ihren Anforderungen an ihre Schönheitschirurgen, die die Techniken, die sie wollte, erst Jahrzehnte später erlernen sollten. Dementsprechend waren die Ergebnisse in ihrem Gesicht. Nach Skandalen wie Verhaftungen wegen Ladendiebstahls verbrachte Hedy Lamarr einen traurigen und einsamen Lebensausklang. 2000 starb sie. Es mag ein Trost sein, dass sie noch erlebte, dass ihre Erfindung die Welt veränderte - und man ihr die Urheberschaft auch zuordnete. Vielen Frauen, die Ähnliches leisteten, blieb dies verwehrt.